Marillenleichen als Kollateralschäden

In meinem Garten sind die Eichkätzchen jetzt wieder sehr aktiv. Meine Sympathie diesen Viechern gegenüber ist ja etwas getrübt, haben sie meine Freundin und damit auch mich als Nutznießerin in Form von Marillenmarmelade um die nahezu gesamte Marillenernte gebracht. Eines Tages als die herrliche Pracht eigentlich in den nächsten Tagen zur Ernte kommen sollte, lagen die Früchte süßduftend, rotbackig und vollreif am Boden. Der Haken daran war allerdings, dass jede einzelne Frucht angeknabbert war. Das Mysterium vom ungewollten und frühzeitigen Ernteeinbruch löste sich bald auf, als wir die Eichhörnchen – es gibt sogar zwei von den lieben Mistviechern – beobachteten, wie sie zuerst eine Marille nach der anderen auf den Reifegrad überprüften indem sie die Frucht in beide Pfoten nahmen und durch sanftes Drücken sich für die scheinbar einzig richtige entschieden, kräftig in die saftige Marille bissen, das herrliche Fruchtfleisch allerdings vom Baum warfen um sich dem eigentlichen Teil der Begierde, dem Kern, zuzuwenden. Das war es also! Diese Marillenleichen am Boden waren demnach nur Kollateralschäden. Ich frage mich: vielleicht besitzen Eichkatzerl auch ein tieferes Schönheitsempfinden. So wie das Mandelkernöl unsere Haut weich machen soll, könnte ja vielleicht der Marillenkern für buschiges Haar beim Eichhörnchen sorgen, wer weiß? Aber ich schweif ab… Für mich war das jedenfalls neu, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Eichhörnchen auf Marillenkerne stehen. Was für eine Verschwendung! Das wäre ja so, als würde ich beim Hendl all das saftige Fleisch vom Teller schubsen um mich am nackten Gebein zu delektieren.

Lustig zu beobachten sind sie schon, wie sie da geschäftig – immer kurz vor dem Burnout, so hat es den Anschein – am Nussbaum herumtänzeln und mit einer Leichtigkeit sich von einem Baum zum nächsten  Handeln. Ich sehe immer nur woher sie kommen, aus dem Garten meines linken Perma-Kultur-Nachbars, um dann einen Zwischenstopp auf meinem Nussbaum zu machen. Dann gilt es eine ziemliche Baumleere im nächsten Nachbarsgarten zu überbrücken um wiederum einen prächtigen Nussbaum und besagten Marillenbaum zu plündern. Gleichsam einem Supply-Chain-Manager in Höchstform bringen sie routiniert ihre Ernte auf demselben Retourweg und mit einer Regelmäßigkeit in das nahegelegene Depot.

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Der Duft des Herbstes

Der Herbst ist der Frühling des Winters, heißt es. Heuer kommt mir alles ein wenig verschoben vor. Die Rosen sind nackt, beinahe alle Blätter sind abgefallen, der Nussbaum deutet schon eher in den November und an vielen anderen Sträuchern und Bäumen zeigt sich die Herbstfärbung viel früher als sonst. Wenn man einen Garten liebt, entwickelt man mit der Zeit ein ganz feines Sensorium für den „richtigen Zeitpunkt“ der Pflanzen. Ich persönlich orientiere mich auch meist am Duft, das kann ich aber niemandem erklären, klingt ja auch komisch. Aber für mich riechen die Jahreszeiten sowieso unterschiedlich, aber auch die Pflanzen selber entwickeln im Zeitverlauf einen ganz besonderen Geruch. Es gibt bei mir im Garten eine Ecke vor den Stiegen in den unteren, schattigeren Bereich, da riecht es zum Herbstbeginn bezaubern süßlich. Am liebsten würde ich die Stufen gleich ein paar Mal auf und ab gehen um dann eine Nase voll mit ins Haus zu nehmen. Eben habe ich Rasen gemäht, ist heuer gar nicht so leicht zwischen den Regentagen eine Lücke zu finden, in der man schnell durchstarten kann. Auch hier gilt: der Rasen riecht im Herbst anders, ich schwör´s, zumal sich zum Rasenschnitt die gehäckselten Blätter dazumengen, bei mir sind es zum Beispiel die Nussbaumblätter, Blätter vom Apfelbaum oder der Davidia (Taschentuchbaum) und die der Sommermagnolie und das ergibt eine ganz besondere Mischung – eine Privatmischung sozusagen, so riecht nur mein Garten.