Grüne Fahrt

Eigentlich wollte ich heute über all die Pflanzenschätze schreiben, die ich gestern bei meiner Wanderung gesehen habe. Der botanische Höhepunkt war eine Türkenbundlilie am Wegesrand. Natürlich habe ich sie fotografiert,  nur komme ich heute drauf, dass das Foto ziemlich verwackelt ist. Das brachte mich dazu, wieder einmal alle Fotos am I-Phone durchzusehen und sie entweder ordentlich zu speichern oder zu löschen. Was sich da so alles ansammelt. Wobei ein klarer Trend bei meinen Fotopräferenzen abzulesen ist. Die Reihung ohne Wertung: Berge und Wanderungen, Pflanzen und Bäume, Hund. Den Rest fasse ich als Reisemotive oder einfach unterwegs zusammen.

Wenn ich mir die Gartenmotive aus dem Frühjahr ansehe, wird mir erst bewusst wie leer der Garten im zeitigen Frühjahr ist. Man kann es kaum erwarten, dass alles zu wachsen und blühen beginnt. Das ist die gefährlichste Zeit für Gärtnerinnen. Ein Besuch in der Gärtnerei oder Online endet immer desaströs für´s Geldbörsl. Oder für den Hund im Auto, der dann mitten im Gebüsch sitzt und vor lauter Grün nicht mehr aussieht. Wenn ich´s mir so recht überlege, tritt dieser Zustand mehrmals im Jahr ein.

Ich erinnere mich daran, als der Avocadobaum einzog. Heute ist er viele Meter hoch und meine liebste Pflanze im Wohnzimmer. Als ich ihn vor vielen Jahren kaufte, passte er noch ins Auto. Erst wollte ich ihn gar nicht kaufen, aber dann hat mich meine Begleitung überredet. Dafür bin ich heute noch dankbar. Denn der Avocadobaum und ich, wir haben eine ganz besondere Beziehung. Bin ich einige Tage nicht zu Hause, so habe ich das Gefühl, dass er schmollt und er erst dann wieder versöhnt ist, wenn ich mich um ihn kümmere und ihm Aufmerksamkeit schenke.

Eine Rückfahrt von Lederleitner in Atzenbrugg habe ich sogar – jetzt kann ich es ja sagen – ziemlich kriminell in Erinnerung. Vollgestopft mit Topfpflanzen, hinten und vorne, dazwischen (am Rücksitz) meine Freundin, die mir in diesen Belangen keine Unterstützung ist, weil sie, ähnlich wie ich, vom Pflanzenvirus befallen ist. Unter der Beute befand sich ein alter Rebstock, den sie neben den Pavillon pflanzte. Leider wollte er nicht wachsen und irgendwann galt er als verloren. Heuer steckte sie ihn als Deko an anderer Stelle in die Erde. Siehe da, er trieb aus und entwickelt sich prächtig. Unglaublich, dass so lange Zeit und ganz im Verborgenen so viel Leben stecken kann.

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Der Duft des Herbstes

Der Herbst ist der Frühling des Winters, heißt es. Heuer kommt mir alles ein wenig verschoben vor. Die Rosen sind nackt, beinahe alle Blätter sind abgefallen, der Nussbaum deutet schon eher in den November und an vielen anderen Sträuchern und Bäumen zeigt sich die Herbstfärbung viel früher als sonst. Wenn man einen Garten liebt, entwickelt man mit der Zeit ein ganz feines Sensorium für den „richtigen Zeitpunkt“ der Pflanzen. Ich persönlich orientiere mich auch meist am Duft, das kann ich aber niemandem erklären, klingt ja auch komisch. Aber für mich riechen die Jahreszeiten sowieso unterschiedlich, aber auch die Pflanzen selber entwickeln im Zeitverlauf einen ganz besonderen Geruch. Es gibt bei mir im Garten eine Ecke vor den Stiegen in den unteren, schattigeren Bereich, da riecht es zum Herbstbeginn bezaubern süßlich. Am liebsten würde ich die Stufen gleich ein paar Mal auf und ab gehen um dann eine Nase voll mit ins Haus zu nehmen. Eben habe ich Rasen gemäht, ist heuer gar nicht so leicht zwischen den Regentagen eine Lücke zu finden, in der man schnell durchstarten kann. Auch hier gilt: der Rasen riecht im Herbst anders, ich schwör´s, zumal sich zum Rasenschnitt die gehäckselten Blätter dazumengen, bei mir sind es zum Beispiel die Nussbaumblätter, Blätter vom Apfelbaum oder der Davidia (Taschentuchbaum) und die der Sommermagnolie und das ergibt eine ganz besondere Mischung – eine Privatmischung sozusagen, so riecht nur mein Garten.