Es ist vollbracht – der Nussbaum ist weg

Lange hat sich sein Sterben angekündigt. Immer mehr Äste wurde dürr, die Blätter zusehends rarer und die Nüsse blieben gänzlich aus. Das alleine wäre dennoch kein Grund gewesen, den alten Nussbaum zu fällen. Ein Zufallsbefund hat dann die Notwendigkeit deutlich gemacht. Eigentlich wollte ich nur eine fachmännische Meinung einholen, ob der Efeu, der inzwischen bis hoch in den Wipfel vorgedrungen war, den Baum schädigen könnte. Dabei hat sich gezeigt, dass der Stamm an der Basis morsch war.

Rund 80 Jahre war der Nussbaum alt. Er stand schon auf dem Grundstück bevor das Haus gebaut wurde, so überliefert es die Familiengeschichte. Umso mehr schmerzte es all jene, die mit ihm Erinnerungen an die Kindheit oder frühere Jahre verbanden. Wäre der Baum mitten am Grundstück gestanden und nicht an der Grundgrenze zu einer zudem heiklen Nachbarin, ich hätte ihn in Ruhe langsam sterben lassen, ohne einzugreifen. Aber das geht nunmal nicht in einem begrenzten Stadtgarten.

Zwei Männer vom Maschinenring haben sich fachmännisch und beeindruckend akrobatisch um das Abtragen gekümmert. Ich habe einen Tag lang Äste gehäckselt und das Häckselgut in den nachbarlichen Garten für einen Wegbelag gebracht. In den Tagen darauf folgten unzählige Fuhren mit der Schiebetruhe zum Grüncontainer – jedes Mal ein Wandertag hin und retour. Mühsam, traurig und schmerzhaft das ganze Unterfangen. Mein Rücken wurde arg strapaziert. Nun ist auch das Brennholz mit Hilfe meiner Tochter Victoria eingebracht bzw. sind die großen Teile im Garten unter einer Plane versorgt.

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Mittlerweile habe ich mich an die neue Situation im Garten gewöhnt. In diesem wunderbaren Herbst genieße ich die Sonnenstrahlen und den Ausblick auf eine schöne Bergkette sehr. Genau das ist auch mein größter Trost. Denn nun kann ich meine liebsten Beschäftigungen unmittelbar in Verbindung bringen – die Natur eint das hier und dort, den Garten und meine Pflanzen in der Stadt, in der ich wohne und meine geliebten Berge, wo ich so viel Zeit verbringe.

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Der Garten erholt sich

Die Leidensgeschichte des Gartens in diesem Extremsommer erspare ich euch. Hitze und Trockenheit haben ihre Spuren hinterlassen. Der Garten, der Hund und ich sind einfach nur mehr daniedergelegen. Aber – seit einigen Tagen regnet es ergiebig, sodass sich der Garten gut erholt.

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Doch zuvor wurde Ende August Laub gerecht, welke Blätter von Stauden entfernt und Neues gepflanzt. Eh klar, ohne dem geht es einfach nicht, auch wenn ich mich immer wieder wundere, dass überhaupt noch etwas Platz hat. Dennoch frage ich mich nach dem Verbuddeln, wo all die Stauden sind, der Garten scheint sie regelrecht zu verschlucken.

Weil der Herbst meine Lieblingszeit ist und ich nicht länger auf die herbstlichen Farben warten wollte, habe ich den Kupferkessel frisch bepflanzt: mit Rudbeckia, Crocosmia und zwei Gräsern. Sie wandern später in den Garten und machen im Kessel Platz für eine Frühjahrsbepflanzung.

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Die Gewinner des Hitzesommers in meinem Garten sind die Rosen. Sie haben sich ohne jedes Gießen erstaunlich gut gehalten, keine Blätter verloren und sogar einige Blüten produziert. Der Duft einer einzelnen Blüte im trockenen Nichts gibt viel her, nach dem Motto „Willst du was gelten, mache dich selten“. Erstmals blüht Liriope an allen Stellen im Garten. Ich vermute, dass sonst die Schnecken schon im Frühling unentdeckt am Werk sind und die Knospen abfressen. Auch das Sedum steht stramm, sonst fällt es bei meinem nährstoffreichen Boden meist um sodass ich es aufbinden muss.

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Liriope muscari, Lilientraube,  Traubenlilie

Die Neuzugänge im herbstlichen Garten sind ein rostfarbiges Helenium (Sonnenbraut), ein farbenprächtiger Phlox, ein unverwüstliches Polygonum (Knöterich), eine Monarde (Indianernessel) mit Blüten wie ein Doppeldecker und ein weiteres Sanguisorba, die ich besonders apart finde (Tanna). Alles gekauft in der Gärtnerei Sandner bei Sankt Florian in Oberösterreich. Und ich gestehe schon jetzt: ich habe noch einige Stauden bei der Gärtnerei Gaissmayer bestellt. Mehr dazu bald im nächsten Beitrag.

Iran, Land der Gärten und Granatäpfel

Ein lange ersehnte Reise führte mich kürzlich nach Iran. Wer das Land noch nicht kennt, sollte es unbedingt nachholen. Touristen halten sich in Grenzen, manche Sehenswürdigkeiten konnten wir alleine bestaunen, der kulturelle Einblick in das alte Persien ist überaus beeindruckend und überall begegneten uns freundliche, interessierte und höfliche Menschen, wie ich es zuvor auf keiner meiner Reisen erlebt habe.

Landschaftlich ist das große Land höchst abwechslungsreich. Im Norden befindet sich das Elburs-Gebirge mit dem höchsten Berg des Irans, dem 5.600 Meter hohen Damawand. Auf unserer ersten kurze Wanderung entdeckte ich wilde Tulpen in gelb und rot. Ganz Hänge waren voll davon.

Ganz anders die Wüsten des Landes. Wir besuchten die Salzwüste Dasht-e Kavir, rund 60 km südöstlich von Teheran entfernt und unglaubliche 77.000 Quadratkilometer groß. Kurz vor unserem Besuch regnete es, sodass sich die Landschaft zu einem bizarren Gemälde aus feinen, weißen Pinselstrichen  verzauberte. Unwirtlich, einsam und einzigartig schön.

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Auch in der Wüste gibt es Gärten. Ein „walled garden“ mit Lehmmauern erregte meine Aufmerksamkeit. Rundum Wüste, mittendrin ein Gemüsegarten, der durch ein durchdachtes Wassersystem bewässert wird. Das Wasser kommt aus weit entfernten Bergen.

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Auf anderen Wanderungen, u.a. zu den dort ansässigen Nomaden, gab es einige Exoten zu entdecken. Wunderbar auch die riesigen Gebiete mit uralten Steineichen, wie ich sie bisher nur aus Kroatien und anderen mediterranen Ländern kannte.

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Gärten in Iran – ein Kapitel für sich. Granatäpfel-Bäume blühen allerorts, Maulbeerbäume so weit das Auge reicht, Orangenblüten duften und Wasser spielt eine zentrale Rolle. Hohe Palmen, Grüntöne in allen Schattierungen und dazu die wunderbaren Mosaike in unendlichen vielen Mustern. Das Auge sieht sich gar nicht satt, im Gegenteil: der Wunsch nach Farbe im eigenen Garten (und im Haus) wurde intensiv angeregt.

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Zum Abschluss noch einige Eindrücke abseits der Botanik. Iran ist derart vielfältig, dass eine Reise höchstens eine Anregung sein kann um wieder zu kommen.

Mit Turbo in den Sommer

Grad noch haben die Schneerosen geblüht und schon ist es Sommer. Der Frühling hat kaum 14 Tage gedauert. Heuer gibt es schon im April zu wenig Regen, was für die Neupflanzungen einen schwierigen Start bedeutet. Und obwohl ich mir vorgenommen habe heuer (fast) keine Topfpflanzen zuzulegen, habe ich dieses Vorhaben erwartungsgemäß wieder ad acta gelegt. So sind zumindest Tomaten und einige neue Kräuter auf der Terrasse eingezogen. Darunter drei hübsche Salbeisorten, die nicht nur wunderbar nach Apfel, Ananas und Mandarine duften, sondern zudem ein ansprechendes Laubwerk haben.

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Rundum blüht und duftet es. Choisya ist bereits erblüht und einige neue Sorten wurden gepflanzt. Mittlerweile habe ich fast alle Arten der Mexikanischen Orangenblume im Garten. Unser Boden und Halbschatten tut ihr gut und ich mag das unkapriziöse Gedeihen, gepaart mit Blättervielfalt und Blütenduft.

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Meine verrückte Pfingstrose steht am Start, bereit für ihren großen Auftritt. Die anderen Sorten lassen noch ein wenig auf sich warten. Sehr gespannt bin ich auf die intersektionelle Pfingstrose „Coral Magic“, die ich voriges Jahr bei den Gartentagen Freising (bei München) erstanden habe.

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Bald bin ich zwei Wochen auf Reisen in Iran. Den Garten in dieser Wachstumsphase und Hochblüte alleine zu lassen, bringt mich arg in Bedrängnis. Einerseits freue ich mich riesig auf die Reise, andrerseits habe ich fast das Gefühl Wesentliches im Garten zu versäumen. Daher schicke ich euch noch schnell ein Foto von meiner Davidia, dem Taschentuchbaum und winke mit gärtnerischem Gruß Bye-bye bis zum nächsten Mal!

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Eisenhut aus Samen vermehren

Dieser außergewöhnlich schöne, zweifarbige Eisenhut (Aconitum) blüht im Garten meiner Freundin. Ich vermute, es ist ein Aconitum Bicolor Monkshood. Spät im Herbst, meist im Oktober, also wenn andere Blüten rar werden, erscheinen die bezaubernden Blüten dieses Eisenhuts. Das Farbenspiel ist besonders schön anzusehen. Die Pflanze ist sehr gesund, nahezu einen Meter hoch und sie wird jedes Jahr prächtiger.

Auch in meinem Garten gibt es einen Eisenhut, Aconitus Napellus, jene Art, wie sie im Gebirge häufig zu finden ist. Ich liebe ihn ganz besonders. Auf vielen Wanderungen ist der Eisenhut ein Höhepunkt, besonders dann, wenn er große Flächen bedeckt und sich der Blick im tiefen Blau regelrecht verliert.

Wir haben einen guten Gartenboden für Eisenhut. Steht er zudem etwas geschützt im Halbschatten, so gedeiht er sehr gut. Leider ist mir in letzter Zeit nie ein derart kräftiger und schöner zweifarbiger Eisenhut untergekommen. Also beschloss ich noch einmal Samen zu nehmen. Voriges Jahr scheiterte ein Versuch kläglich. Ich hatte natürlich nachgelesen: Frostkeimer und so. Trotzdem, es sollte nicht gelingen.

Eisenhut Samen
Eisenhut Samen

Heuer wollte ich es noch einmal wissen. Ich kaufte Saaterde, Behälter hatte ich noch und die Samen nahm ich erst spät ab, im Jänner. Jeder Samen wurde einzeln an seinen Platz gesetzt und gegossen. Kunststoffhaube drauf und dann ging das Warten los. Zu meinem Morgenritual gehörte fortan, die Erde zu besprühen um das feuchte Klima zu erhalten.

Eisenhut Pflänzchen
Eisenhut Pflänzchen

Siehe da – viele Samen gingen auf und ich hoffe inständig, dass die zarten Pflänzchen heranwachsen, von Tag zu Tag kräftiger werden und ich sie hoffentlich im Frühling in den Garten übersiedeln kann.

Eisenhut Pflänzchen

 

 

 

Herbergssuche des Weihnachtshuhns

Während sich andere Familien um die Weihnachtsgans scharen, oder ein Brathuhn im Backofen zur knusprigen Höchstform kommt, schaut bei mir ein lebendiges Weihnachtshuhn vorbei. Und ich denke nicht daran, es in einen anderen Aggregatzustand zu bringen. Gott im Himmel, niemals würde ich es wagen, dem Huhn auch nur eine Feder zu zupfen. Die Freundschaft meiner treuesten Freundin stünde ernsthaft am Spiel, nein, ich bin sogar sicher: ein Unheil über das Huhn, von mir verursacht, würde das Ende bedeuten, und ich meine damit nicht das Ende des Huhns.

Also habe ich beschlossen, solange für einen angenehmen Aufenthalt in meinem Garten zu sorgen, bis das Huhn seine weihnachtliche Herbergssuche beendet, oder im besten Fall zur Hühnerfamilie zurück findet – zwei Gärten weiter bei meiner Freundin, wo das eigentliche Zuhause ist. Die Hühner der Freundin, fünf Stück hoch, bevorzugen es neuerdings im Viburnum zu nächtigen. Trotz vieler – meiner Ansicht nach recht überzeugende Argumente –  sie mit Shrimps, Mais und anderen Köstlichkeiten  zu locken, manchmal bevorzugen die Tiere eben das Abenteuer und nicht den schützenden Hühnerstall. Marder, Katzen und Hunde zeigen jedenfalls großes Interesse an den Hühnern.

So kam es, dass nach einem nächtlichen Überfall die Tiere auf drei Gärten verstreut waren. Nun, das Zusammentreiben von fünf Hühnern ist nicht ganz einfach. Vier sitzen mittlerweile zwar etwas traumatisiert, aber immerhin lebendig im schützenden Hühnerhaus. Das fünfte Huhn hingegen, streunt in meinem Garten herum. Ein Versuch es zu fangen, scheiterte kläglich. Man darf nicht vergessen: Hühner beherrschen die dritte Dimension und  flattern sogar in den Kirschbaum hoch. Da muss ich echt passen.

Wie die Geschichte endet ist nicht absehbar. Ich hoffe, auf ein Weihnachtswunder und wünsche mir, dass das verlorene Huhn bald wieder zu seiner Familie kommt. Bis dahin, gewähre ich gerne ihm gerne Unterschlupf und versorge es mit trockenen Weihnachtskeksen.

 

 

 

 

 

 

Advent drinnen und draußen

Weihnachten kann kommen, der Advent ist schon da. Ich sitze bei einer Tasse Kaffee und blicke in den Garten. Draußen geht’s rund. Die Vögel flitzen herum, sie scheinen die selbst gemachten Futteraufhänger im Cercidiphyllum japonicum zu mögen. Wenn die wüssten, dass ich noch einen riesigen Vorratssack Körner im Talon habe, würde sie sich vielleicht gar nicht so drum reißen. Die Aufhänger waren schnell gemacht: Alte Kecksausstecher mit Fett und Körner vermischen – ich hatte noch Gänsefett – in die Formen füllen, kalt stellen und aufhängen, fertig. In kürzester Zeit sprach sich die frohe Botschaft herum und es ging zu wie vor dem Applestore in Asien, wenn das neue I-Phone auf den Markt kommt.

Bei einer Hunderunde im Kürnbergerwald fand ich wunderbares Reisig. Der Sturm hat ganze Fichten und Tannen entwurzelt. Schlimm für die Natur und die Waldbesitzer, ich habe mich über das frische Grün gefreut und eifrig für einen Adventkranz gesammelt. Zum Reisig gab ich alten Efeu, mit den hübschen schwarzen Früchten, und panaschierten Ilex aus dem Garten dazu. Ein paar Fichtenzapfen zwischendurch und fertig ist der hübsche Naturkranz. Ich bin so gar kein Fan von Maschen und sonstigen künstlichen Zierrat, ich mag den Adventkranz nur en nature.

Am Gartenzaun hängt eine Mistel, die ich hoch oben von einem alten Obstbaum geholt habe. Ein Teil des Stammes war vom Sturm beschädigt, sodass ich gut hinauf klettern konnte. Hier scheint der Grundsatz zu gelten: je höher, desto schöner die Misteln.

Drinnen ist es so richtig kuschlig. Der Kachelofen ist eingeheizt, der Adventkranz steht am Tisch und die Amaryllis blühen. Auf meiner Wendeltreppe hängt ein Weihnachtskalender der besonderen Art. Meine liebe Freundin überrascht mich jedes Jahr damit. Für mich eine lieb gewordene Tradition und nur ein Beispiel unserer innigen Freundschaft. Die Säckchen sind mit köstlichen Pralinen gefüllt und ich versuche mich artig im Advent-Mantra: jeden Tag nur eines.