Kommt in die Gärten!

Als PR Beraterin kenne ich den Leitsatz „Lass andere über dich Gutes erzählen“ nur zu gut. Als Gärtnerin folge ich ihm aus Überzeugung, wenn es um das prachtvolle Gartenreich Dessau-Wörlitz geht. Heute kam der „Gartenreichbrief“ der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz per Newsletter mit dem Titel: „Es ist Frühling – Kommt in die Gärten!“

Wer dieses Natur- und Kulturjuwel noch nicht kennt, sollte in der Tat diesem Aufruf folgen. Ich kann garantieren, dass sich ein Besuch lohnt. Im Gegenteil, mit einem Mal wird es nicht getan sein. Ihr werdet überrascht und begeistert sein, ob der Vielfalt, Dimensionen und Dichte an historischen Gärten und Bauwerken.

Nun ist für mich als Linzerin die Gegend rund um die Mittelelbe, mit fünf bis sechs Stunden Fahrzeit, ja nicht grad um die Ecke. Trotzdem war ich schon dreimal zu Gast im Dessauer Gartenreich und ich werde wieder kommen, immer wieder. Und jedes Mal etwas Neues entdecken, mich weiterbilden, inspirieren und verzaubern lassen.

Im Gartenreichbrief wird auf einen aktuellen Beitrag im MDR über das Gartenreich Dessau-Wörlitz verwiesen. Am besten ansehen, Lust holen – und folgt dem Rat einer österreichischen Exilgärtnerin: Es ist Frühling – Geht in die Gärten! Besucht Wörlitz!

Gartenreichbrief der KsDW 2_2016

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Geliebter alter Nussbaum

Jedes Jahr im Frühling bange ich um das Leben meines alten Nussbaumes. Er müsste an die sechzig bis siebzig Jahre sein. Den Baum gab es jedenfalls schon bevor das Haus gebaut wurde, so ist es von den Vorfahren überliefert. Jedes Jahr kränkelt ein wenig mehr, Äste sterben ab und fallen bei starkem Wind zu Boden, und überall sind Löcher zu sehen, in denen jetzt die Vögel ihre Nester bauen.

Den Schnabel voll mit wirrem Baumaterial verschwinden sie eifrig im Baum um gleich danach wieder auszufliegen und ihr Werk zu vollenden. Ich habe auch drei Nistkästen, die ich einmal von einem Bekannten aus Sachsen bekommen habe. Die Herkunft tut nichts zur Sache, die Vögel scheinen sich in den Baumhotels recht wohl zu fühlen, auf jeden Fall sind sie auch in dieser Saison längst ausgebucht.

 

Wie viel Leben trotz aller Schwäche in dem alten Baum noch steckt, überrascht mich immer wieder. Als würde er mir zeigen wollen, wer er einmal war und noch immer sein kann. Er ist nicht nur Heimat der nistenden Vögel. Der Buntsprecht ist ein regelmäßiger Besucher und auch für die Eichkätzchen der Umgebung ist er ein beliebter Treffpunkt. Ich möchte ihn nicht missen. Egal dass die Nüsse klein sind und die Ernte nicht mehr ergiebig. In Nachbarin´s Garten steht genau das Gegenteil – ein Prachtstück von Nussbaum, der vor Vitalität nur so strotzt. Die beiden haben Blickkontakt und vielleicht haben sie sich ja abgesprochen – der eine schaut auf den anderen, und jeder hat so seine Qualitäten. Möge mein Nussbaum noch lange durchhalten und alle erfreuen, er gehört zum Garten und er gehört zu mir.

 

Glückliche Hühner und ihre Besitzer

Unlängst las ich irgendwo, dass Hühner die neuen Haustiere wären. Immer mehr Menschen, vor allem auch im städtischen Umfeld, scheinen sich für das Federvieh zu begeistern. Kein Wunder, ist doch toll jeden Tag ein frisches Frühstücksei am Tisch zu haben. Ich frage mich, welche Geschichten all jene zu erzählen hätten. Ich könnte ein Buch über unsere Hühner-Odyssee schreiben. Meine Freundin hat auch drei Hühner. Vor einem Jahr zu Ostern ging alles los. Sie ahnen schon eine lange Geschichte? Oh ja. Zuerst wurde der Hühnerstall gebaut, der eigentlich ein Palazzo ist, wenn man´s recht betrachtet. Dann wurden ganz besonders hübsche Tiere bei einem Züchter ausgesucht und ins neue Zuhause übersiedelt. Die ersten Tage, Wochen und Monate waren verständlich mit einiger Aufregung verbunden. Schließlich ist es nicht alltäglich, dass man Hühner zu sich nach Hause holt und jeder will doch nur das Beste für sie. Es soll ihnen ja gut gehen, wir alle wollen doch nur glückliche Hühner.

Welches Streu, das richtige Futter, die Zeiten wenn es ab in den Stall gehen sollte – alle mussten sich aneinander gewöhnen. Öfter verschwand das eine oder andere Huhn einfach so. Trotz Pirsch im Gebüsch und Gelände, einmal sogar unter Eindringen in einen fremden, zum Glück unbewohnten Garten unterhalb des Geheges, das arme Vieh war nicht zu finden. Nach einer schlaflosen Nacht, ich meine damit meine Freundin, vielleicht auch das Huhn, das kann ich aber nicht verlässlich bestätigen, saß die Ausreißerin harmlos und vorwurfsvoll gackernd vor dem Stall.

Es gab aber auch richtig böse Rückschläge in dem einen Jahr. Einmal holte sich der Marder ein Huhn (was zwei ausnehmend hübsche Marder in Lebendfallen zur Folge hatte), ein andermal schlugen die Milben zu, die meiner Meinung nach die größte Hühnerplage sind. Nach drei Tierarztbesuchen mit falschen Diagnosen, zahlreichen Recherchen und umfangreichen Behandlungsversuchen erlagen schließlich trotzdem alle Hühner (und – wie so oft- brachte erst die Leichenbeschau die Todesursache zu Tage). Nun kehrte echte Betroffenheit und Trauer ein. So Hühner können einem richtig ans Herz wachsen.

Um die lange Geschichte abzukürzen: jetzt –nach allen erdenklichen Maßnahmen zur Hühnersicherung gegen innere und äußere Feinde- gibt es wieder drei hübsche Hühner und jeden Tag drei prachtvolle Eier. Erst heute bekam ich von meiner Freundin zwei ganz frische Frühstückseier geschenkt und sie schmecken fantastisch. Das Gehege ist noch besser vor dem Marder geschützt und auch so scheint es den gefiederten Haustieren recht gut zu gehen. Kein Wunder, sie werden nicht nur bestens umsorgt, manchmal werden sie so sehr betüddelt, dass Hündin Mara und ich fast neidvoll auf den Speiseplan blicken. Wenn es am Sonntag Shrimps aus der Dose gibt, dann spielen die drei Hühner verrückt: sie flattern hoch und picken in rasendem Tempo alles gierig aus der Hand. Was mich zur provokanten Aussage verleitete: das sind keine Eier mehr, das sind schon Goldnuggets. Was soll´s, wer sein Haustier liebt, der verwöhnt es, ist doch so, oder? Egal ob Hund, Katze oder Huhn.

Hühnerstall

Wann ist das passiert?

Sie gehören zu den Klassikern im Garten, die Magnolien und jetzt stehen sie in voller Blüte.  Bekannt als Strauch oder Baum, Sternmagnolien in weiß, rosa und rötlich, in großen Blüten, kleinblütig, wie immer, sie sind einfach wunderbar. In meinem kleinen Gartenreich freue ich mich über vier Stück und alle blühen gleichzeitig um die Wette. Leider nur recht kurz. Die ersten verblühen schon wieder und die weißen Blätter bedecken die Teichoberfläche fast zur Gänze.

Die Kröten sind schon wieder weg. Überhaupt kommt mir heuer vor, dass alles furchtbar schnell kommt und genauso schnell wieder geht. Vermutlich eine subjektive Wahrnehmung, manchmal täuscht die eigene Befindlichkeit ja recht gut über Tatsachen hinweg. Aber gestern am Weg nach Bad Vöslau, als ich die Natur vom Auto aus betrachtete – plötzlich grüne Felder, die Bäume schlagen aus, Sträucher blühen – da dachte ich wirklich „wann ist das passiert“?

Kröte

Kröte Seerose

Heute wurde der Rasen zum ersten Mal gemäht, Rasen ist übertrieben, ich habe bekanntlich eine Wiese. Ein paar verblühte Narzissen wurden abgeschnitten und auch sonst ein wenig rum geschnippselt. Ach, wie gerne bin ich im Garten, mein sonst so ausgezeichnetes Zeitgefühl verlässt mich dann und am liebsten würde ich mich, wie Mara es macht, wenn sie sich so richtig wohlfühlt, am Rücken in der Wiese wuzeln. Ich verstehe sie so gut.