In guten wie in schlechten Gartentagen

Ein verregneter Sonntag (dem Himmel sei Dank!) geht zu Ende, das Wochenende ist bald vorbei. Das bestellte Gartenbuch ist eingetroffen, der Gartenteich ist etwas luftiger und von den viel zu vielen Pflanzen befreit, einige rosa Phloxstauden mussten weichen und andere warten auf ihren vorgesehenen Platz. Es treibt mich nicht in den Garten hinaus. Heute bevorzuge ich den Blick in den Garten von der Couch aus und lese im Buch „Traumhafte Landgärten“ von Martina Meidinger. Andere Gärten zu besuchen, sei es physisch oder die Bilder zu sehen und Geschichten darüber zu lesen hat für mich einen ganz besonderen Reiz. Ein Garten ist eine ziemlich persönliche Sache wie ich finde. Kein Garten gleicht dem anderen. Immer ist er Ausdruck einer Person, die sich um ihn kümmert, die dort Ideen verwirklicht und vieles ausprobiert. Ein Blick in einen privaten Garten werfen zu dürfen, empfinde ich daher als besonderes Privileg.

Der Garten ist nie fertig, er verändert sich dauernd. Pflanzen kommen und gehen, vieles gelingt und bringt Freude, manches geht schief und enttäuscht. Der Garten ist an bestimmte Gegebenheiten gebunden wie zum Beispiel die Bodenverhältnisse und das Klima im großen und kleinen. Wer das ignoriert, wird kläglich scheitern. Ehemals kleine Bäumchen wachsen zu stattlichen Bäumen heran, Sträucher erhalten ihre tatsächliche Struktur und Stauden füllen Leerräume. Dadurch ändert sich die Stimmung und die gesamte Anmutung eines Gartens laufend. Aber nicht nur der Garten unterliegt dem ständigen Wandel. Schließlich wird auch die Besitzerin oder der Besitzer älter, jeder macht seine Erfahrungen, möglicherweise verändert sich der Geschmack und die Vorliebe für bestimmte Pflanzen reift heran.

Mein Garten und ich, wir pflegen eine gute Beziehung. Seit vielen Jahren sind wir einander vertraut, jeder entwickelt sich ständig weiter, wir fordern einander und verzeihen einiges, stehen im Guten und Schlechten zueinander, teilen Freuden und Misserfolge und insgesamt geben wir ein ganz passables Paar ab. Daher mag ich diese glatten Gartenratgeber nicht besonders. Weder in Buchform, noch Personen, die sich eifrig zu jedem Gartenthema mit einer einzigen Variante äußern. Alles ist immer perfekt, für alles gibt es eine – meist immer die gleiche – Lösung. Diese Gedankenwelt ist nicht meine, dazu schätze ich die Vielfalt und Individualität der Personen und ihrer Gärten viel zu sehr.

Die Hitze hat dem Garten ordentlich zugesetzt. Regen gab es nur selten, in den Bergen sehr wohl, aber nicht bei uns im flachen Donauraum. Ich habe gegossen so gut es ging und immer die neu gepflanzten Stauden bevorzugt und so haben wir die Hitzetage ganz gut überstanden. Heute regnet es ordentlich, es riecht so gut frisch und ich genieße den Blick in den regennassen Garten.

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Invasion im Garten: der Götterbaum

Wie kann man nur einer derartigen Landplage einen so schönen Namen geben? Götterbaum (Ailanthus altissima), das klingt so wohlwollend, erhaben und mächtig. Stimmt, mächtig viel Probleme macht das Unding im Garten, wenngleich die Quelle des Übels in Nachbars Garten steht. Nun hat sich der Götterbaum in meine Alpträume geschlichen und streitet sich mit dem Giersch um den ersten Platz in der Unbeliebtheitsskala.

Bis vor kurzem dachte ich ja, dass all die Sprösslinge im Garten – wohlgemerkt im ganzen Garten, also im Rasen, in den Beeten, in jeder Ritze – vom Essigbaum kommen. Der ist zwar auch lästig, lässt sich aber leichter unter Kontrolle halten. Hingegen, wenn die Götterbaumpestilenz um sich greift, ist alles zu spät. Der große Götterbaum in Nachbars Garten ist zwar recht schön anzusehen, aber mittlerweile kommen in der ganzen Gegend    die nicht erwünschte Schösslinge, die zudem rasend schnell wachsen.

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Ich würde mich viel lieber mit wertvolleren Tätigkeiten im Garten beschäftigen, als ständig die unsäglichen Triebe auszurupfen. Meine Recherchen haben ergeben, dass der Götterbaum mittlerweile zu einer allgegenwärtigen Landplage avancierte, in der Fachsprache also „zu den invasiven Baumarten zählt und unser Ökosystem bedroht“. Jetzt verstehe ich, was damit gemeint ist, und ich habe noch keine Strategie dafür, wie ich die Götter, die ich nicht rief, wieder los werden soll.

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Liebe Gartenfreunde, Gartenexperten und Hellseher: kennt ihr eine wirksame Methode, den Götterbaum mit seiner grenzenlose Vermehrungswut in Schach zu halten oder gar für immer aus meinem Garten zu verbannen? Wisst ihr einen Beschwörungsspruch, kennt ihr eine göttliche List, die die Allmächtigen besänftigen und mir wieder ruhige Nächte bescheren mögen? Ich würde wirklich vieles tun, um den Götterbaum für immer in die finstere Unterwelt zu verbannen, denn da gehört er hin.