Marillenleichen als Kollateralschäden

In meinem Garten sind die Eichkätzchen jetzt wieder sehr aktiv. Meine Sympathie diesen Viechern gegenüber ist ja etwas getrübt, haben sie meine Freundin und damit auch mich als Nutznießerin in Form von Marillenmarmelade um die nahezu gesamte Marillenernte gebracht. Eines Tages als die herrliche Pracht eigentlich in den nächsten Tagen zur Ernte kommen sollte, lagen die Früchte süßduftend, rotbackig und vollreif am Boden. Der Haken daran war allerdings, dass jede einzelne Frucht angeknabbert war. Das Mysterium vom ungewollten und frühzeitigen Ernteeinbruch löste sich bald auf, als wir die Eichhörnchen – es gibt sogar zwei von den lieben Mistviechern – beobachteten, wie sie zuerst eine Marille nach der anderen auf den Reifegrad überprüften indem sie die Frucht in beide Pfoten nahmen und durch sanftes Drücken sich für die scheinbar einzig richtige entschieden, kräftig in die saftige Marille bissen, das herrliche Fruchtfleisch allerdings vom Baum warfen um sich dem eigentlichen Teil der Begierde, dem Kern, zuzuwenden. Das war es also! Diese Marillenleichen am Boden waren demnach nur Kollateralschäden. Ich frage mich: vielleicht besitzen Eichkatzerl auch ein tieferes Schönheitsempfinden. So wie das Mandelkernöl unsere Haut weich machen soll, könnte ja vielleicht der Marillenkern für buschiges Haar beim Eichhörnchen sorgen, wer weiß? Aber ich schweif ab… Für mich war das jedenfalls neu, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Eichhörnchen auf Marillenkerne stehen. Was für eine Verschwendung! Das wäre ja so, als würde ich beim Hendl all das saftige Fleisch vom Teller schubsen um mich am nackten Gebein zu delektieren.

Lustig zu beobachten sind sie schon, wie sie da geschäftig – immer kurz vor dem Burnout, so hat es den Anschein – am Nussbaum herumtänzeln und mit einer Leichtigkeit sich von einem Baum zum nächsten  Handeln. Ich sehe immer nur woher sie kommen, aus dem Garten meines linken Perma-Kultur-Nachbars, um dann einen Zwischenstopp auf meinem Nussbaum zu machen. Dann gilt es eine ziemliche Baumleere im nächsten Nachbarsgarten zu überbrücken um wiederum einen prächtigen Nussbaum und besagten Marillenbaum zu plündern. Gleichsam einem Supply-Chain-Manager in Höchstform bringen sie routiniert ihre Ernte auf demselben Retourweg und mit einer Regelmäßigkeit in das nahegelegene Depot.

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