Wer Samen sät

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Der Winter zieht sich. Während ich mich einerseits über den reichlichen Schnee und die bevorstehenden Skitouren im Frühling freue, hadert die Gärtnerin in mir mit der immer noch dicken Schneedecke im Garten. In den vergangenen Jahren gab es um diese Zeit verlässlich Schneeglöckchen, Winterlinge und Frühlingszyklamen als Frühlingsboten. Heuer scheint es noch lange zu dauern bis die ersten Blüten erscheinen.

Da hilft nur Samen säen um sich die Blütenpracht vorerst zu imaginieren. Ganz günstig ist die Kälte für sogenannte Frostkeimer. Wie der Name schon sagt, brauchen manche Samen eine Kälteperiode bevor sie durchstarten und die Blätter zu keimen beginnen. Im Garten meiner Freundin steht ein großer Eisenhut (Aconitum), ca. 1,20 hoch, die Blüten in verschiedenen Blaunuancen. Also nicht der dunkle Eisenhut, den es bei uns in der Bergen  so zahlreich gibt und den ich so sehr liebe. Er wächst auch bei mir im Garten ganz brav und wird jedes Jahr stattlicher. Jenes Aconitum meiner Freundin ist eine spezielle Züchtung, deren Namen ich nicht kenne.

Jedenfalls als ich im späten Herbst vorbeiging, streifte ich mit der Schulter und es raschelte wie bei einer Klapperschlange. Ein Häufchen Samen waren schnell geklaut und jetzt ist ihre Zeit gekommen sie in die Erde zu packen, weil sie eben Frostkeimer sind. Endlich wieder in den Gartenmarkt Anzuchterde kaufen! Und endlich wieder Erde zwischen den Fingern! Wie habe ich das vermisst. Das Gefäß steht jetzt auf der Terrasse unter Dach und ich bin gespannt, ob die Samen keimen werden. Vielleicht kann ich ja in eine paar Wochen schon mehr herzeigen.

 

Strelitzie: Bunt wie ein Papagei

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Neben meiner Avocado steht eine Strelitzie, die ich viele Jahre in meiner Obhut weiß. Im Sommer draußen auf der Terrasse und im Winter im Haus, erfreut sie mich jeden Jänner verlässlich mit ihren bunten Blüten. Daher stammt vermutlich auch der Name „Paradiesvogelblume“ oder „Papageienblume“. Ich kann die Pflanze nur wärmstens empfehlen. Sie ist völlig pflegeleicht und wie ich finde, immer schön anzusehen. Auch ohne Blüten gibt sie einiges her. Pflanzenbewerber würden die Papageienblume wohl als Strukturpflanze beschreiben und für moderne Haushalte als geeignet empfehlen: klare Linien, große graublaue Blätter, lanzettenförmig und mit einer ledrigen Anmutung. Na und die Blüten erst! Schillernd in orange und blau, bizarr in der Form. Wie der Kamm eines bunten Hahns stehen die Blütenspitzen weg. Genug beworben?

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Zur Pflege ist wirklich nicht viel zu sagen. Dass sie keine Staunässe verträgt, klar, ist ja keine Sumpfpflanze. Oft wird sie als mediterran bezeichnet, obwohl sie eigentlich aus Süd-Afrika stammt. Wie bei meiner ersten Weihnachtssternsichtung, eine Strelitzie am Naturstandort kam mir das erste Mal in Ost-Afrika am Straßenrand unter, ich glaube es war Ruanda. Was immer mit mediterran ausgedrückt werden soll, es hilft, die Pflanzen dort zu sehen, wo sie herkommen und ein ganz verzückendes Erlebnis ist es jedes Mal. 

Bei mir steht der eigentliche Topf in einem Übertopf, der unten aber noch viel Platz lässt. Sollte ich tatsächlich einmal zu viel gießen, so rinnt das Wasser schlicht ab. Aber ich bin sowieso nicht der „Zuvielgießtyp“. Im Frühjahr werde ich die Strelitzie teilen, denn beim herbstlichen Einräumen in das Haus bemerkte ich schon, dass zu viele, fleischige Wurzeln unten aus dem Topf ragen. Höchste Zeit zum Umtopfen. Ich bin sicher, ein Gartenfreund freut sich über einen Ableger, ich habe auch schon jemand vorgesehen.

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Weihnachtsstern ade!

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Die ersten Christbäume liegen abholbereit vor den Häusern, vertrocknete Adventkränze sind längst zerlegt, Weihnachtssterne landen am Kompost. Ein tristes Ende für die temporär so wichtige Pflanzendekoration. Dabei muss ich an die schönen Weihnachtssterne an ihren Naturstandorten denken. Das erste Mal gesehen habe ich sie in Ruanda. Auf einmal leuchtete aus der Ferne ein roter, meterhoher Weihnachtsstern aus einer Hecke heraus. Ein ungewöhnlicher Anblick für mich, der später völlig normal wurde. Denn immer wieder entdeckte ich die Pflanze auf anderen Reisen, zuletzt in Äthiopien.

In meinem Haus scheidet der Winter nicht langsam, der Frühling zieht bei mir abrupt ein. Weihnachtsbaum hatte ich keinen, der Adventkranz mit Zutaten aus dem eigenen Garten ist verbrannt bzw. der Eisenkranz für nächstes Jahr verstaut und die Weihnachtssterne sahen zuletzt aus wie räudige Hunde, nur noch hier und da vereinzelte Blätter. Dafür blühen die Magnolien und Kirschzweige in drei Varianten. Bei meiner umfangreichen „Ich lichte den Garten aus-Aktion“ gegen Jahresende, fielen zahlreiche Blütenzweige ab, die sich in der Vase gut machen und nun den Winter zumindest drinnen austreiben.

Auch der Avocadobaum, der sich nur langsam erholt, blüht wie jedes Jahr um diese Zeit. Damit die Blüten nicht zu viel Kraft kosten, zwicke ich die unteren Knospen mit den Fingern ab. Früchte reifen ohnedies nie aus und ich hoffe, dass der Baum bei sorgsamer Pflege und Zuwendung so zu neuer Hochform kommt.

Eine lächerlich kleine Avocadopflanze steht seit Herbst neben dem großen Baum. Ich habe sie beim Aufräumen im Hochbeet entdeckt und in einen Topf gepflanzt. Naja, vielleicht hilft ja die gegenseitige Gesellschaft, obwohl sie mir eher als Hohn für den großen Baum und entmutigend für die Minipflanze erscheint. Abwarten! Ich dachte daran,  für beide als Vorbild den schönsten aller Avocadobäume anzubringen, den ich in Kigali (Ruanda) gesehen habe. Uralt, unvergesslich, Ehrfurcht – grad dass ich nicht niederkniete vor diesem Prachtexemplar.

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Molucca, fremdes Kraut

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Zwei kolorierte Kupferstiche aus dem 17. Jahrhundert zieren nun meine Wände, ein im mehrfachen Sinn wertvolles Geschenk einer ganz besonderen Freundin zu meinem Geburtstag. Lange stand so ein Kupferstich auf meiner Wunschliste und nun erfreue ich mich jeden Tag daran. Was mich an dieser Kunstform besonders fasziniert, ist das weitreichende Wissen um Botanik und die gekonnte Darstellung derselben. Außerdem geben sie einen interessanten Einblick in die Pflanzenwelt längst vergangener Zeiten.

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Die Bilder stammen aus der umfassenden Sammlung „Hortus Eystettensis“, die die ganze Pracht und Vielfalt des botanischen Renaissance-Gartens des Fürstenbischofs Johann Conrad von Gemmingen (1561-1612) widerspiegeln. Der Nürnberger Apotheker und Künstler Basilius Besler (1561-1629) fertigte insgesamt 367 Kupfertafeln an, in denen er akribisch und kunstvoll zugleich alle Pflanzen des mittelalterlichen Gartens von Eichstätt dokumentierte.

img_3128Melissa Moldavica und Molucca Levis sind auf dem linken Bild kunstvoll dargestellt, während Ligustrum und Guaiacana auf dem rechten Bild zu sehen sind.

Hans von Trotha zitiert in seinem Buch Gartenkunst den Philosophen Bertrand Russell: „Wenn ich mit einem intellektuellen Freund spreche,  festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich dagegen mit meinem Gärtner, bin ich vom Gegenteil überzeugt“.

Diese Überlegungen kann ich gut nachvollziehen. Was brauche ich vom Glück zu träumen, wenn es in meinem Garten schon bereit liegt. Betrachte ich meine zwei kunstvollen Bilder, so ist es, als würde ich einen flüchtigen Blick in die Vergangenheit erhaschen und ein Garten wird lebendig, der die Menschen damals genauso berührte. So schön, dass ich jetzt ein Stück vom Paradies an meiner Wand habe, das ich mir jederzeit erschließen kann.

Trotha: „Betrachtet man einen idealen Renaissancegarten, so sieht man einen Raum, in dem Architektur, Kunst, Natur und Landschaft ein harmonisches Ganzes bilden, um dem Menschen den idealen Raum für seine Entfaltung zu geben: zum Verweilen, zur Lektüre, für die Kunst, für die Liebe, zum philosophischen Gespräch, zur Erholung, dazu er selbst zu sein oder zu werden. Das ist eine Vorstellung vom Paradies, die um die Vorstellung vom Menschen im Paradies erweitert ist – ein zutiefst humanistischer und gleichzeitig zutiefst religiöser Gedanke“.

Platz da! Licht und Luft für den Garten.

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Erst wenn die Bäume laubfrei sind, kommt die Struktur des Gartens so richtig zur Geltung. Der urplötzlich ganz dringliche Wunsch einen alten Nadelbaum von den unteren Ästen zu befreien um einen Ausblick in die Landschaft zu bekommen wurde heute endlich erfüllt. Dieses Gefühl „heute, jetzt und auf der Stelle“ kenne ich aus einem anderen Bereich: mit dem Friseur warte ich auch immer bis zum letzten Moment, ehe ich eines Tages aufwache, einen Blick in den Spiegel werfe, um mich auf der Stelle einen Termin Friseurtermin zu kümmern, keinen Tag länger will ich dann warten. So ähnlich ging es mir mit dem Garten im Herbst. Dank der Hilfe lieber Freunde, deren Motorsäge und Häcksler wurde heute ordentlich im Garten gewerkt. Gemeinsam macht es einfach noch mehr Spaß.

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Eine alleinstehende Thuja ist im hohen Alter immer mehr in die Breite gegangen. Sie bedrängte massiv den schönen Hartriegel (cornus cousa). Am meisten störte mich, dass ich keine Aussicht mehr auf die entfernten Berge hatte. Dabei mag ich die Gebirgs-Silhouette im orangeroten Abendlicht zu gerne.

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Überhaupt braucht der Garten mehr Luft und Licht. Manchmal ist es richtig befreiend, den bedrängten Pflanzen mit der Motorsäge Luft zu verschaffen. Es passiert ohnedies viel zu schnell, dass alles viel zu dicht wird. Heuer habe ich mir oft gedacht: wann ist das passiert. Hier ein nicht geplanter Weißdorn, dort ein plötzlich hoher Hollerstrauch, und Zuwächse an Bäumen und Sträuchern im überbordenden Ausmaß. (Andererseits: vielleicht findet sich ja doch noch ein Plätzchen für die beiden Bäumchen, die derzeit noch im Topf auf der Terrasse geparkt sind.)

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So kam es mir gerade recht, dass meine Nachbarn im Herbst ihren Garten neu gestalteten und unsere verbindenden Bäume an einer Gartenseite ziemlich zurück nahmen. Immer eine grenzwertige Sache, welcher Baum kann weichen, wieviel soll zurück genommen werden. Aber ich finde, wir haben ein gute Lösung gefunden, beide haben profitiert, die Pflanzen allemal. So befinden ich mich auf einem guten Weg mit meinem Vorhaben nach mehr Luft und Licht für den Garten. Fertig bin ich aber noch nicht. Zuerst müssen noch die restlichen Äste aufgearbeitet werden und die Buchenhecke muss auch noch in Form gebracht werden, nachdem sie heute von meinen fleißigen Helfern von unnötigem Wildwuchs außerhalb des Gartens erstmals befreit wurde.

 

Alles Gute Baum, alles Gute Victoria!

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Heute vor 27 Jahren kam meine ältere Tochter zur Welt. Unvergesslich und schön für meine Familie und mich. Aber auch ein wichtiger Tag in der Geschichte. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. In den Abendnachrichten brachten sie einen Mann, der über die Mauer kletterte und das Victory-Zeichen deutete. So fasste ich den Entschluss, mein Baby Victoria zu nennen. Hoffnung und Zuversicht nährten meine Gedanken in diesen Tagen. Politik und Gesellschaft waren in Bewegung. Es schien, als würde mein Kind in eine gute Zukunft gehen. Heute ist wieder so ein prägnanter Tag. Allerdings lässt das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA gar nichts Gutes erahnen. Unverständnis, Sorge und ein Gefühl der Ohnmacht bestimmen heute meine Gedanken.

Ich weiß, dass solche Überlegungen in einem Gartenblog eigentlich wenig zu suchen haben. Aber, wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich einen Fichtenbaum, der genau so alt ist wie meine Tochter Victoria. Ich wollte für unsere ersten Weihnachten nicht einfach einen Baum kaufen um ihn nach ein paar Tagen wieder wegzuwerfen. So zog ich los, besuchte Gärtnereien und suchte einen ganz besonders schönen, lebenden Baum im Topf aus, der nach den Feiertagen in den Garten gepflanzt wurde. Er wächst und gedeiht, wird jedes Jahr schöner und erinnert mich an die Zeit vor 27 Jahren. Ein Vogelhaus, das durchgängig bewohnt ist, und eine Eichkätzchenfamilie beleben die große Fichte. Der Baum ist ein Symbol für meine Familie, meine Tochter und mich und auch ein klein wenig für eine hoffnungsvolle Zukunft. Möge der Baum weiter wachsen, gesund und kräftig bleiben, seine Umgebung gestalten, Heimat und Nahrungsquelle für Tiere sein, Freude bringen und möge er ganz alt werden. Alles Gute Baum, alles Gute Victoria!

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Die meisten Blüten sind dahin, bald werden die Blätter den Farbcode im Garten bestimmen. Hier und dort eine vereinzelte Blüte, einige Dalien, verblühte Stauden, Fruchtstände, Samen. Während sich die Sommer- und Herbstblumen verabschieden, kommen andere Stauden erst jetzt zur Geltung. Chrysanthemen geben dem Garten im Spätherbst noch einmal so richtig Schub. Voriges Jahr in der Gärtnerei neben dem Karl Förster Garten bei Potsdam gekauft, bilden sie schon nach einer Saison kräftige Horste. Leider sind zwei Sorten bald nach dem Pflanzen den gefräßigen Schnecken zum Opfer gefallen. Bis ich es bemerkte war nichts mehr zu retten, außer dem Pflanzschild, das ich zumindest beim Einzug in den Garten immer dran lasse, damit ich bei Bedarf die Sorte ablesen kann. Meistens vergilbt das Schild nach dem ersten Sommer, den Namen habe ich dann längst vergessen und es ist auch völlig egal wie die Blume heißt – sie gehört dann einfach dazu. Schließlich sind auch Blumennamen Schall und Rauch.

Jetzt wird auch der Weg durch den Garten wieder zum Spießrutenlauf. Jeden Tag ein paar neue Maulwurfshügel, einer höher als der andere, als wollten sich die Viecher gegenseitig etwas beweisen. Am Ende trainiert sich da eine unterirdisch Maulwurfsmannschaft für eine olympische Disziplin hoch um im Frühling auch noch bei den Damen überirdisch zu glänzen?

Außerdem frage ich mich, ob die Größe des Erdhaufens vielleicht ein Indiz für den bevorstehenden Winter sein könnte. Je höher, desto kälter? Je mehr, desto länger? Naja, wir werden sehen. Und überhaupt bin ich nicht sicher, ob der eine oder andere Hügel nicht einer Wühlmaus entspringt, worüber ich nicht sehr erfreut wäre.

Zeitig im Frühling setzte ich ein Artischockenpflänzchen. Ich mag die Früchte, wenngleich ich hier keine großen Ernteerwartungen gehabt hätte, mir gefallen auch die Wuchsform und die schöne lila Blüte. Am nächsten Tag allerdings war die kleine Pflanze wie vom Erdboden verschluckt, keine angeknabberten Blätter, keine Reste, gar nichts. Nach dem nächsten und dritten Versuch war mir klar, dass nicht der Erdboden schluckt, sondern vermutlich eine Wühlmaus sich da unten das Bäuchlein wohlig streichelte, ob des verlässlichen Nachschubs von oben. Nicht mit mir, die Idee mit der Artischocke habe ich dann gelassen. Zumindest bis zum nächsten Frühjahr.