Nah am Wasser gebaut

Zuerst überraschen hübsche rosa Blütendolden auf einem hohen Stil. Danach erst erscheinen die tellergroßen gezähnten Blätter, die sich im Herbst wunderbar färben. Darmera peltata (Schildblatt) mag es gerne feucht. Am besten steht sie am Teichrand, wo sie sich zu ordentlichen Horsten entwickeln kann. Diese Pflanze ist das ganze Jahr hindurch eine Bereicherung im Garten. Übrigens: nah am Wasser gebaut ist sie ganz und gar nicht, denn sie ist völlig pflegeleicht und somit auch für Gartenanfänger bestens geeignet. Einmal etabliert, ist sie eine verlässlich wachsende Pflanze. Wer einen Ableger an eine Gartenfreundin abgeben möchte, sticht einfach ein Stück des Rhizoms ab, dier Vermehrung ist ganz unkompliziert.

Wer noch nicht so geübt ist mit Stauden, der könnte Darmera möglicherweise mit einer jungen Gunnera manicata (Mammutblatt) verwechseln, die allerdings mit ihren riesenhaften Blättern später schon auffällig anders ist. Die Fotos stammen aus einem schottischen Garten, einfach Prachtexemplare, die mich motivierten, einen neuen Pflanzversuch zu starten. So hatte ich (zum zweiten Mal) im Herbst am Ufer eine neue Pflanze gesetzt. Leider ist sie bis jetzt nicht wieder aufgetaucht, damit kann ich sie vermutlich abschreiben auf nimmer wiedersehen. Wieviele Stauden ich schon pflanzte ohne sie im nächsten Jahr wiederzufinden – das ist eine andere Geschichte.

GunneraGunnerablatt

Advertisements

Frühlingsduft liegt in der Luft

Ein Schritt aus dem Haus und ich liege im Duftrausch. Eine Spiraea und ein Duftschneeball (Viburnum burkwoodii) in Nasenhöhe, daneben eine Säulenkirsche als Insektenmagnet und daneben der weiße Flieder. Alles zusammen ein olfaktorischer Hochgenuss, besser als mein Lieblingsparfüm von Serge Lutens. Könnte ich, würde ich daraus eine Duftmischung kreieren und mich von oben bis unten beduften. Wäre doch ein guter Trick den Frühling auszutricksen, oder vielmehr mich selbst.

Ein Hoch auf die kleine Daphne

In einem anderen Gartenbereich steht eine kleine Daphne (Seidelbast), die ihren lieblichen Duft aus zarten weißen Blüten verströmt. Diese Pflanze hatte vor drei Jahren ich bei den Gartentagen in Freising gekauft. Damals wusste ich noch nicht, dass es zahlreiche Sorten gibt. Unlängst entdeckte ich eine Internetseite, die sogar darauf spezialisiert ist: http://www.daphnes.be/ Ich mag diese Sträucher sehr gerne. Sie gedeihen gut in meinem Boden. Erst im Herbst kaufte ich in meiner Lieblingsgärtnerei, der Stiftsgärtnerei Sandner in St. Florian, einen Seidelbast mit panaschierten Blättern. Er blüht recht bald im Frühling und duftet bezaubernd. Vor der Pflanze gehe ich schon einmal gerne auf die Knie um eine Nase davon zu nehmen.

Daphne  Daphne panaschiert

Die mexikanische Orangenblume: Choisya ternata

Während vor einigen Jahren die mexikanische Orangenblume (Choisya ternata) mit ihren Duftblüten noch selten in Gärtnereien anzutreffen war, so findet man sie jetzt schon öfter im Sortiment. Choisya habe ich für mich vor rund 20 Jahren in dem bekannten Buch „Blumengarten“ von Christopher Lloyd entdeckt. Ich freue mich über zwei Sorten in meinem Garten, eine goldfarben, Choisya ternata Sundance, ist ein Neuzugang aus dem Vorjahr, auch aus der Gärtnerei Sandner. Um den älteren Strauch kompakt zu halten, habe ich ihn im Frühling zurückgeschnitten. Vom krautigen Duft der Blätter lässt sich gut ableiten, dass Choisya zu den Rautengewächsen zählt. Leider habe ich übersehen, dass der Zeitpunkt des Rückschnitts, vorsichtig formuliert, suboptimal war. Denn damit habe ich mich für heuer der schönen Blüten beraubt, ein Anfängerfehler, ich geb´s ja zu.

Choisya ternata

 

Musiker der Gärten

„Ihr müsst der Musik eine Richtung geben“ – diesen Satz habe ich mir aus einem gestrigen Chorseminar mit Erwin Ortner (Leiter des Schönbergchores) mitgenommen. Gemeint ist damit, dass ein Sänger eine Passage aufbauen, quasi inszenieren und genau wissen muss, wo Spannung und Entspannung entstehen soll. Wo ist der Höhepunkt, auf den es hinzuarbeiten gilt. Wer dieses Prinzip versteht und es umzusetzen vermag, der nähert sich dem Begriff des Musizierens.

Heute saß ich im Garten und las das Buch „Ein Glücksritter – Die englischen Jahre von Fürst Pückler-Muskau“ von Peter James Bowman (Verlag: Die Andere Bibliothek). Pückler erfüllte sich in Bad Muskau einen Lebenstraum: ab 1815 errichtete er an der Neiße einen Landschaftspark nach englischen Vorbild, der mich unglaublich berührt. Ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich das erste Mal das Gartenreich in Wörlitz besuchte und bald darauf die Pückler Landschaftsgärten in Branitz und eben Bad Muskau. Mit sehr viel Gespür, Können, klugen Praktiken und einer gehörigen Portion Großzügigkeit entstanden diese einzigartigen Parks. Du spürst, dass nur dann so ein großartiges Gartenkunstwerk entstehen kann, wenn sich einzelne Komponenten zu etwas Höherem vereinen und die Natur zu fließen beginnt. Und so meine ich, wer es schafft, seinem Garten eine Richtung zu geben, wie Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf in Wörlitz und Fürst Pückler es in seinen Gärten vermochten, der ist für mich ein Musiker der Natur, ein wahrer Gartenkünstler.

Die beiden UNESCO Weltkulturerbe-Parks Wörlitz und Bad Muskau werden bei meiner Reise zu Pfingsten besucht: 22. – 26. Mai. Restplätze auf Anfrage. http://www.jetway.at/

Zu Ostern kamen die Hühner

Seit einer Woche besitzen wir Hühner, Wyan Dotten, Zwerg Wyandotten wie sich bald herausgestellt hat, betrachtet man die niedlichen, etwas kleineren Eier. Heute gackern sie friedlich in ihrem Revier, marschieren morgens im Gänsemarsch aus ihrem Häuschen und bei Dämmerung wieder retour. Begonnen hat es aber gar nicht so idyllisch. Wie das halt so ist, wenn man sich als Frischling oder besser als Neuling, Hühner im Garten einbildet. Die Idee hatten meine Freundin und ich schon vor einiger Zeit. Was meine Freundin und mich trennt ist ein Garten dazwischen, leider nicht untertunnelt wie wir immer wieder mit Bedauern feststellen. Was uns verbindet ist eine lange und enge Freundschaft. Nachdem die Idee immer realer wurde, fand sie jemand, der ein Hühnerhaus errichten konnte und die Einzäunung sicherte, las Bücher über Hühnerhaltung und ich machte auf die Suche nach besagter Hühnerrasse und schrieb einem Züchter, der mir gleich einige Bezugs-Adressen nannte. Fünf einjährige Hühner wurde reserviert, das Häuschen im Garten meiner Freundin beauftragt. Vor Ostern holten wir schließlich die Hühner aus Seitenstetten ab. Ein schwarzes, zwei braune und zwei graue Hühner wurden eingefangen, in zwei Katzenkörbchen als Transportmittel gesteckt und schon ging es zurück nach Linz. Ziemliche Stille im Auto, nur einmal kurzes Gegacker, da wurde während der Fahrt ein Ei gelegt wie sich später herausstellte.

Die Ankunft war perfekt, die Hühner erkundeten ihr Gehege, alles schien bestens, Ostern konnte kommen. Gegen Abend kam ein Anruf: Die Hühner sind ausgekommen! Vier konnten wir gemeinsam mit meinen Töchtern im restlichen Garten wieder einfangen, eines schien verloren. Auch eine erweiterte Suche, die mich an meine Räuber und Gendarm Zeit aus meiner Kindheit erinnerte, blieb erfolglos. So ein verlorenes Huhn kann einem ganz schön den Schlaf rauben! Am nächsten Tag arbeitete ich beim Kompost in meinem Garten und plötzlich sah ich das Huhn außerhalb des Gartenzauns friedlich und – frei interpretiert – etwas schläfrig, hocken. Ein Anruf meinerseits und ein zusätzlicher Helfer machten die Huhnjagd schließlich erfolgreich. Endlich waren alle fünf Hühner wieder vereint im Gehege.

Abends ein letzter fürsorglicher Blick nach den Hühnern: drei waren im Häuschen, die anderen beiden, braunen Hühner, saßen – nun wieder vereint und solidarisch mit der Ausreißerin – am Flieder! Hoch oben und dicht aneinander gekuschelt. Nach der zweiten Nacht am Baum beschlossen wir sie einzufangen und gezielt ins Haus zu den anderen zu bringen. Zum Glück klappte diese Mission und an den folgenden Tagen wurde es zur ganz natürlichen Routine. Vorige Woche verspeisten wir jede ein erstes Frühstücksei der eigenen Hühner, es schmeckt vorzüglich. Noch etwas: auf alle so publizierten Ratgeber zu Hühnern ist nicht wirklich Verlass. Denn auch, dass Hühner auf Schlafstangen sitzen, entpuppte sich als Mythos. In Wirklichkeit verteilen sich drei Hühner auf zwei Legeplätze, eine missbraucht das Kotblech als Schlafstätte und nur ein Huhn sitzt gehörig auf der Stange. Vielleicht sollte ich meinen eigenen Ratgeber über Hühner im Garten schreiben, irgendwann einmal.

Beste Freunde: meine Kröten und ich

Sie kommen jedes Jahr pünktlich Ende März zu Besuch, meine Kröten. Ich liebe sie. Unsere Beziehung begann allerdings nicht ganz so liebevoll. Die Gedanken im ersten Jahr ihres Einzugs in den Garten waren gar nicht freundlich. Zu meinem Schutz muss ich gleich erklären wie ahnungslos ich damals war. Denn die neuen Mitbewohner identifizierte ich zunächst als Frösche und damit begann die negative Gedankenkaskade: unendliche Vermehrung, lautes Quaken, Probleme mit den Nachbarn usw. Also stellte ich Überlegungen an wie ich diese vermeintlichen Frösche übersiedeln könnte. Töten kam für mich nie in Frage. Aber eh ich mich versah, schwammen große Schwärme von Kaulquappen und meine Not wurde nur größer. Was macht der moderne Mensch um sich zu informieren? Er googelt. Und bei etwas differenzierter Betrachtung stellte sich schnell heraus, dass meine neuen Mitbewohner nicht Frösche, sondern Kröten sind. Nachsatz: die nicht quaken und obendrein sehr standorttreu sind. Das kann ich nun aus Erfahrung nur bestätigen. Jedes Jahr kommen sie wie aus dem Nichts um im Teich ziemlich cool abzuhängen. Ich beobachte sie gerne, sie bringen mich oft zum Lachen und auch Hexe Mara (eigentlich ein Hund) findet sie auch äußert unterhaltsam: Kröten im Teich sind besser als Kino.