Buchtipp: Alpenpflanzen

Manche Bücher vergisst man. Nicht weil sie unterinteressant wären, sondern weil man nicht gleich dazu kommt sie zu lesen, und als ordentlicher Mensch gleich in das Regal einreiht. Wie mir das mit diesem Buch passieren konnte, ist mir unerklärlich. Denn „Alpenpflanzen“ ist die perfekte Lektüre für Personen (wie mich), die ihre Wanderleidenschaft mit der Freude an alpinen Pflanzen vereint sehen. Also ganz nach meinem Geschmack.

Auf der Suche nach mehr Informationen über Nigritella habe ich zum Glück dieses außerordentlich interessante und aufschlussreiche Buch wieder entdeckt und gleich viele Ideen für weitere Wanderziele mitgenommen.

Alpenpflanzen listet auf 535 Seiten 91 Wanderungen hauptsächlich in den österreichischen, französischen und italienischen Alpen auf und stellt dabei immer eine botanische Besonderheit in den Mittelpunkt. Eine Beschreibung der Gattung, des Namens und des Lebensraumes der jeweiligen Blume gehen der folgenden Wanderbeschreibung voran. Unglaublich detailreich und mit absolut fundiertem Wissen werden unzählige Blumen beschrieben. Ein Beispiel: Ragwurz, für mich eine Neuentdeckung vor rund 2 Jahren auf einer Kroatienreise, werden hier gleich in 14! Varianten aufgezählt.

Alpenpflanzen: Die schönsten Bergtouren und Pflanzenportraits
Autor: Norbert Griebl
Verlag: freya

 

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Nigritella corneliana: Kohlröslein in Pink

Über die Türkenbundorgie im Nationalpark Mercantour hatte ich im letzten Blogbeitrag geschrieben. Heute will ich von einigen anderen Raritäten und Besonderheiten der vielfältigen Bergwiesen in den Seealpen erzählen.

Gleich bei der ersten Wanderung erblickte ich eine pinke Schönheit auf der Wiese. Kleines Köpfchen in einem Farbverlauf von grellem Rosa bis rot und hellrosa. Steckt man dann noch die Nase rein, so entdeckt man einen feinen Duft von Vanille. Meine erste botanische Zuschreibung war schon richtig. Nigritella, das Kohlröschen, ist eine Orchidee und Endemit der Südwestalpen. In Österreich kenne ich das Kohlröschen nur in Schwarz. Aber auch hier zu Lande ist die Pflanze eher selten zu anzutreffe. Die bezaubernde pinke Variante begegnete mir noch öfter in den Seealpen: genauer gesagt zu Hunderten auf saftigen Wiesen verteilt, umgeben von der wunderbaren Bergwelt.

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Auffällig sind auch die kleinen Blüten der Viola, von weiß, gelb bis blau und lila, die ganze Almen überziehen. Oder der winzige Enzian, der so wie Viola in Massen die kurzen Wiesenböden in großen Höhen überziehen. Knapp über dem höchsten Punkt des „Tete de Sanguiniere“ auf rund 2.800 Meter Seehöhe streckte mir ein großer Enzianbusch die blitzblauen Köpfe wie zum Gruß entgegen.

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Die vielen anderen Blumenschönheiten zu beschreiben ist nahezu unmöglich. Edelweiß, Waldreben in blau, Akeleien, weißen Orchideen auf trockenen Steinhalden, lassen wir am besten die Blumen selbst sprechen:

Knabenkraut so weit das Auge reicht, Junkerlilien am Waldrand (da bin ich mir nicht ganz sicher, vielleicht kann ein Leser und Pflanzenkenner die Vermutung bestätigen) und eine tiefschwarze Teufelskralle mit beeindruckend großen Blüten.

Blumen, Farben, Berge, Seen, Düfte, ein ganz besonderes Licht und eine wohltuende Weite – alle Elemente zusammen zaubern eine Stimmung und hinterlassen Eindrücke, die ich nie vergessen werde. Vielleicht komme ich eines Tages wieder, zu einer anderen Jahreszeit, in der sich der Nationalpark Mercantour in einem neuen Kleid vorstellen wird.

 

 

Türkenbundlilien im Nationalpark Mercantour

Die edlen und intensiv duftenden Türkenbundlilien gibt es auch bei uns in den Kalkalpen. Sie sind selten und daher streng geschützt. Ich kenne einige Plätze, wo vereinzelte Pflanzen zu finden sind und die Freude über ein blühendes Exemplar ist jedes Jahr wiederkehrend groß.

Was ich allerdings bei meinem Bergurlaub in den französischen Meeralpen gesehen habe, ist unbeschreiblich. In der Nähe unserer Herberge, einer einfachen und urgemütlichen Gite im Col de la Cayolle auf rund 1.800 Meter Seehöhe gelegen, befinden sich ganze Wiesen mit Türkenbundlilien. Gleich beim ersten Abendspaziergang direkt von der Herberge weg, entdeckten wir praktisch hinter dem Haus den Hang entlang hunderte von Türkenbundlilien. Dicht an dicht mit vielen anderen wunderbaren Wiesenblumen als schmuckes „Beiwerk“ stehen sie in aller Pracht und Eleganz. Ich war schlicht überwältigt. Nahezu jeden Abend wiederholten wir die Runde und beobachteten, wie sich die Blüten im Laufe der Woche immer weiter öffneten und ihren betörenden Duft verbreiteten.

Es ist kaum vorstellbar, dass diese Wiesen routinemäßig gemäht werden, oder dass Kühe und Schafe die Pflanzen fressen wie Klee und Heu. Ich will mir das auch gar nicht vorstellen, denn einmal als ich bei der abendlichen Runde aussetzte und meine Freunde zurück kamen, wollten sie mir mit der erfundenen Nachricht, dass die Wiese mittlerweile gemäht wurde, einen Schrecken versetzen, was ehrlich gesagt auch gelungen ist. So eine Pracht würde ich am liebsten konservieren, aber genau das lässt sich mit der Natur zum Glück nicht anstellen. Sogar die Passstraße entlang und auf einigen Bergtouren begegnet einem der Türkenbund immer wieder. Eine derartige Fülle auf so großen Flächen hat mich tief beeindruckt, sie bleibt für immer unvergesslich.

Über die ausgesprochen vielfältige, wunderhübsche Flora in den französischen Meeralpen und einige besondere Raritäten werde ich in einem nächsten Blog gesondert erzählen.