Langweilig wird’s nie

Manche Wanderrouten kenne ich, solange ich mich erinnern kann. Eines dieser Ziele ist die Grünburger Hütte am Fuße des Puchberges in den Oberösterreichischen Voralpen. Die Hütte ist ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Ich kenne sie seit meiner Kindheit, als ich mit meinem Vater nahezu jedes Wochenende, sofern es die Witterung zuließ, irgendwohin in den Bergen unterwegs war. All die Jahre war ich -zig Mal auf der Hütte: mit meinen Mädel in der Rückentrage als sie noch Babies waren, mit Freunden, Familie und Partner. Es fühlt sich an, als wären die Landschaft, die Berge und der Umstand, dass ich sie schon solange kenne eine verlässliche Konstante: immer da, angenehm vertraut, niemals gleich und schon gar nicht langweilig. Ich kenne fast alle Zustiege aus vielen Richtungen, meine Lieblingsroute ist vom Rodatal ausgehend über das Kruckenbrettl.

Eine Jause haben wir immer dabei.

Die Wanderfreudigkeit der Österreicherinnen und Österreicher hat enorm zugenommen. Während früher mein Vater und ich eher selten anderen Wanderern und Bergsteigern begegnete, sind heute – vorzugsweise auf den Hütten – dermaßen viele Menschen anzutreffen, dass ich mir die Route sehr gut überlege. Zum einen steht für mich die Freiheit und das Alleinsein in der Natur im Vordergrund, zum anderen habe ich keine Lust, meine Hündin Mara ausschließlich an der Leine zu führen. Die „Kuhattacken-Debatte“ spare ich jetzt bewusst aus. Nur am Rande: Wir fürchten uns vor Kühen, nicht umgekehrt. Daher schleichen wir oft durchs Gebüsch oder am Waldrand entlang, sobald eine Kuhherde in Sicht ist, um davor sicher zu sein. Ausweichen ist die beste Methode.

Wo Sumpfdotterblumen blühen, ist Wasser in Sicht.

Da ich die Strecke so gut kenne, kann ich erahnen, welche Pflanzen an welcher Stelle zu erwarten sind und freue mich über jedes Wiedersehen. Heuer gab es außergewöhnlich viel Schnee, der April war enorm warm, dann wieder ein Kälteeinbruch. Jetzt Ende Mai ist es besonders schön, wenn sich die zart grünen Buchenblätter austreiben und sich mit den dunklen Nadelbäumen mischen. Am Wegesrand und im Wald gibt es viele Wildblumen zu entdecken.

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Wie sag ich´s meinen Pflanzen?

Die Zeiten werden härter, auch für Pflanzen. Hitze und Trockenheit prägten den sonst vitalen Gartenmonat Juni. Kaum Regen und Hitzerekord mit über 30 Grad, und das über mehrere Wochen. Und alle Prognosen von Fachleuten – abgesehen von einigen unverantwortlichen Besserwissern wie Herrn Trump – vermitteln uns, dass die Klimaveränderung gekommen ist um zu bleiben. Nur, wie erkläre ich das meinen Pflanzen?

Der erste Befund meines Gartens sieht ja noch nicht so schlecht aus. Dazu muss ich aber sagen, dass das Gießen zu einer Hauptbeschäftigung im Garten geworden ist. Eine verantwortungsvolle Gärtnerin  sollte sich mit „nachhaltigem Gießmanagement“ auseinandersetzen: wie gehe ich mit den Ressourcen um, woher kommt das Wasser, gibt es genug Vorrat in der Regentonne oder wird einfach der Wasserhahn aufgedreht?

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Die Überlegungen sollten auch die Verteilung der Ressource Wasser einbeziehen. Also welche Pflanzen sind genügsamer als andere, wer schafft es eine längere Durststrecke zu überbrücken, welche Sträucher setzen gerade in dieser Zeit Knospen für das nächste Jahr an wie zum Beispiel Rhododendren und Azaleen. Frisch Gepflanztes trifft es besonders hart, sie können ohne Wasser schlicht nicht überleben. Die Wurzeln sind noch nicht genug ausgeprägt und mit der Muttererde verbunden. Und ich habe heuer wie wild  neu gepflanzt.

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Recht anspruchslos in meinem Garten sind zum Beispiel Hemerocallis (Taglilie), Allium sphaerocephalon (Lauch) oder Oenothera (Nachtkerze). Anders geht es Aconitum (Eisenhut) und Geranium psilostemon (Storchschnabel), und sogar das Veronicastrum (Ehrenpreis) ließ nach einem Hitzetag die Köpfchen hängen.

Noch gibt es aus meiner Sicht keinen Grund die Pflanzenauswahl zu verändern oder gänzlich zu resignieren. Allerdings gibt es Überlegungen, die Wasservorräte besser anzulegen (vielleicht noch eine Regentonne aufstellen) und Neupflanzungen besser in den Herbst zu verlegen. Mulchen hilft auch gut gegen zu starkes Austrocknen der Erde. Die Erfahrungen mit Hitze und Trockenheit besser umzugehen werden mehr – und die Botschaft an meine lieben Pflanzen lautet: „Alles wird gut“.

Nah am Wasser gebaut

Zuerst überraschen hübsche rosa Blütendolden auf einem hohen Stil. Danach erst erscheinen die tellergroßen gezähnten Blätter, die sich im Herbst wunderbar färben. Darmera peltata (Schildblatt) mag es gerne feucht. Am besten steht sie am Teichrand, wo sie sich zu ordentlichen Horsten entwickeln kann. Diese Pflanze ist das ganze Jahr hindurch eine Bereicherung im Garten. Übrigens: nah am Wasser gebaut ist sie ganz und gar nicht, denn sie ist völlig pflegeleicht und somit auch für Gartenanfänger bestens geeignet. Einmal etabliert, ist sie eine verlässlich wachsende Pflanze. Wer einen Ableger an eine Gartenfreundin abgeben möchte, sticht einfach ein Stück des Rhizoms ab, dier Vermehrung ist ganz unkompliziert.

Wer noch nicht so geübt ist mit Stauden, der könnte Darmera möglicherweise mit einer jungen Gunnera manicata (Mammutblatt) verwechseln, die allerdings mit ihren riesenhaften Blättern später schon auffällig anders ist. Die Fotos stammen aus einem schottischen Garten, einfach Prachtexemplare, die mich motivierten, einen neuen Pflanzversuch zu starten. So hatte ich (zum zweiten Mal) im Herbst am Ufer eine neue Pflanze gesetzt. Leider ist sie bis jetzt nicht wieder aufgetaucht, damit kann ich sie vermutlich abschreiben auf nimmer wiedersehen. Wieviele Stauden ich schon pflanzte ohne sie im nächsten Jahr wiederzufinden – das ist eine andere Geschichte.

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