Es lebe das tote Gebirge

Tot ist das Gebirge hier aus botanischer Sicht ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil. Meine letzte Wanderung brachte mich auf den Lagelsberg in der Phyrn-Priel Region/Oberösterreich. Kurz nach Vorderstoder zweigt eine kleine Straße ab, sie führt zum Parkplatz in der Nähe des Schafferteichs. Von dort geht es in rund 2 Stunden auf die Zellerhütte und schließlich weiter bis zum Gipfel des Lagelsberges. Prachtvolle Aussicht garantiert. Das Gipfelkreuz des Warschenecks ist zu erblicken, für heute genügt es aber bis hierher.

Schon beim Aufstieg lockt die Natur mit all ihren Reizen, die sie im alpinen Frühling zu bieten hat. Während im Tal alles prächtig grünt und der Sommer deutlich zu erkennen ist, blühen im hohen Lerchenwald immerhin „schon“ die Primel. Beim Aufstieg durch den Wald entdecke ich Wiesenraute (Thalictrum), Storchenschnabel (Geranium), Trollblume und viele andere bezaubernde Blüten in üppiger Fülle. Besonders angetan hat es mir die hübsche Alpenclematis mit ihren hellblauen Blütenkelchen.

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Ein absolutes Highlight kurz unter dem Gipfel ist eine Wiese voll mit tiefblauem Enzian. Dicht gedrängt stehen sie Kopf an Kopf, der Weg führt mittendurch und ich trachte vorsichtig danach nur ja keine Blüte zu verletzen. Eine Augenweide zu Boden und erst der Blick in die Ferne. Die vertrauten Berge überwältigen mich jedes Mal aufs Neue. Und die alpine Flora trägt das ihre dazu bei.

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Wenn der Enzian blüht

2014-08-15 Pannonischer Enzian groß2014-08-09 Schwalbenschwanzenzian

Voriges Wochenende entdeckte ich auf einer Bergtour einen hübschen Enzian, noch in voller Blüte, vermutlich der letzte, den ich für heuer zu sehen bekam. Ich finde Enziane eine wunderbare Blütengattung. Ganz bald im Frühjahr freut man sich als Wanderin gerne über die Blüten des kleinen Wiesenenzian (Gentiana verna), in manchen Gegenden heißt er „Schusternagerl“. Diese Sorte hat ganz zarte, blitzblaue Blüten fast ohne Stängel und oft blitzen sie neckisch im zeitigen Frühjahr durch den schmelzenden Schnee. Der Frühlingsenzian erinnert mich immer an meinen Anton, ein Berner Sennenhund, der vor Jahren im Alter von 12 Jahren verstarb. Vermutlich haben ihn die vielen Bergtouren, bei denen er immer dabei war, so lange fit gehalten. Er liebte es auf den Schneeresten im Frühling den Hang runter zu rutschen und entwickelte eine ganz witzige Taktik, die ich so beschreiben könnte: er setzte sich auf seinen (nicht so schlanken) Hintern, streckte die Hinterbeine nach hinten, machte sich flach und ab ging´s. Jeder der das jemals gesehen hatte, musste herzhaft lachen. Ich wollte die Asche meines lieben Anton in den Bergen verstreuen, an einem ganz bestimmten Platz. In diesem Frühling lag allerdings noch so viel Schnee, dass ich nicht an die vorgesehene Stelle voran kam und so suchte ich ein anderes, ganz besonders schönes Plätzchen aus, dort wo die hübschen blauen Sternchen des Frühlingsenzians sich schon tapfer durch die Schneedecke gekämpft hatten. Ich würde die Stelle immer wieder finden und war in der Zwischenzeit auch schon oft dort.

Mein absoluter Favorit unter den Enzianen ist der Pannonische Enzian (Gentiana pannonica). Am Weg zur Zellerhütte sah ich im Herbst ein paar großartige Exemplare. Die Farbe des Pannonischen Enzian ist einfach einzigartig. Auch auf der Hohen Nock kenne ich eine riesige Fläche mit prächtigen Pflanzen. Ich kann mich erinnern, dass ich vor vielen Jahren, nach dem großen Sturm, die Tour ging und damals über Stock und Stein klettern musste, alles sehr mühsam. Im Nationalpark wird nicht aufgeräumt. Ich dachte mir damals wie lange es wohl dauern würde, bis sich die Natur wieder eingerichtet hat. Heute ist diese Fläche ein Pflanzenparadies an dem man sich gar nicht satt sehen kann, zu jeder Jahreszeit.

Auch den Schwalbenschwanzenzian (Gentiana asclepiadea) mag ich sehr. Er vermittelt für mich Freude schlechthin. Die langen Stängel mit den beidseitig gereihten, tiefblauen Blüten wiegen sich oft im Wind und muten daher leicht und elegant an. Für mich vermittelt dieser Enzian die Leichtigkeit des Sommers, auch wenn er lange bis in den Herbst blüht. Der letzte Enzian im Jahresreigen ist der Herbstenzian, mit blass lila Blüten, kurz und mehrstämmig. Er deutet wie immer auf den Abschied hin und kündigt die Frage an, wann wird heuer wohl der erste Schnee kommen?