Yucca Recycling

Wenn man eine Zimmerpflanze so viele Jahre ansieht, wächst einem sogar eine Yucca ans Herz. Zugegeben, ich bin kein enthusiastischer Fan von Yuccas. Mit ihren spitzen Blättern steht sie wie ein Zinnsoldat herum und wächst fade aber energisch in den Himmel. Ein kleines Highlight war zumindest voriges Jahr eine unverhoffte Blüte. Da lobe ich mir schon eher meinen Avocadobaum oder die Strelitzie.

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Zuletzt war die Yucca in etwa vier bis fünf Meter hoch. Elendslang also und nicht mehr ganz ansehnlich wurde sie heute zu meinem Sonntagsprojekt, das in Schwerstarbeit ausartete. Schon einmal habe ich sie nach dem gleichen Verfahren verjüngt: geköpft und in frische Erde gepflanzt.

Zuerst also raus damit auf die Terrasse, trotz Rollen auf der Unterseite des Topfes gar nicht so einfach. Kopflastig und sauschwer war das Ding. Zuerst zerlegte ich den Stamm mit der Säge in einige Stücke und gab den oberen Teil zur Seite. Dann ging das Werken aber erst richtig los. Die Wurzeln waren mit Rütteln und Schütteln nicht aus dem Topf zu kriegen. Lange musste ich mich bemühen bis sich endlich der Wurzelstock herausschälen ließ.

Nun steht die geköpfte Yucca also wieder im Zimmer. Irgendwie scheinen wir trotz aller Vorbehalte Partner fürs Leben zu sein. Soll mir recht sein, Hauptsache es geht ihr gut und sie wächst wieder zu einem stattlichen, hohen Baum heran, der meine Gäste oft mehr beeindruckt als mich. Und eben habe ich den Eindruck, dass ich meiner Yucca allein für ihre Ausdauer, Zähigkeit und Vitalität viel mehr Respekt entgegen bringe sollte. Aussehen ist schließlich nicht alles und wird oft überbewertet.

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Wohliges von draußen und drinnen

Dieser September war ganz nach meinem Geschmack. Viele schöne Wanderungen und Bergtouren führten dazu, dass ich mich so richtig aufgetankt und wohlig fühle. Auch wenn der vergangene Monat außergewöhnlich angenehm war, so heißt das nicht, dass nicht auch der Oktober noch wärmende Sonnentage zu bieten hat. Bis zur grauen Jahreszeit bleibt sicher noch genug Zeit, um sich über die beginnende Herbstfärbung zu freuen, schöne Disteln und die letzten Enziane zu entdecken, Farben und Geruch des Herbstes und den Rückzug der Natur auch für sich selber wahrzunehmen. Langsam wendet sich der Blick wieder stärker nach innen. Und so passt es nur zu gut, dass mein Avocadobaum nach dem Rückschnitt wieder zu zaghaftem Leben erwacht, ich hatte im vorigen Blogbeitrag ja von unserer ganz besonderen Beziehung erzählt. Ich bin also zuversichtlich, dass wir dem Jahresende versöhnt entgegen blicken können.

Eine besondere Entdeckung machte ich gestern bei meiner Yucca, indoor wohl bemerkt. Auch sie wollte ich schon kappen und neu einsetzen. Nicht, dass jetzt nicht der Eindruck entsteht, ich wüte wie ein Berserker unter meinen Topfpflanzen, natürlich nicht, es handelt sich hier um eine reine Koinzidenz zweier Pflanzen, die einfach zu groß wurden mit der Zeit. Die Yucca wächst nicht nur zielstrebig ihrem Glasdach entgegen, sondern sie ist mittlerweile so kopflastig, dass ich einen Umsturz befürchte und Bilder vom traditionellen Maibaumfällen zur falschen Jahreszeit auftauchen.

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Nun ja, nach ungefähr zwanzig Jahren blüht diese Yucca jetzt ziemlich überraschend. Ich kenne diese Pflanzen sonst nur verzweifelt auf irgendwelchen einsamen Verkehrsinseln wachsen oder meist stehen sie recht unpassend und tatsächlich nicht im Garten integriert. Mein Herz schlägt nun wirklich nicht für Yuccas, weder drinnen noch draußen. Noch dazu hat mir einmal eine Feng-Shui Anhängerin erzählt, dass die spitzen Blätter sich nachteilig auf die Aura im Haus auswirken. Es muss sich um eine flüchtige Bekanntschaft gehandelt haben, denn ich kann weder dem Esoterik-Genre etwas abgewinnen noch kann ich mich an die Person erinnern, die Aussage blieb aber irgendwie hängen. Außerdem bestätigt die Praxis das Gegenteil: ich fühle mich in meinem Wintergarten pudelwohl!