Wann ist das passiert?

Sie gehören zu den Klassikern im Garten, die Magnolien und jetzt stehen sie in voller Blüte.  Bekannt als Strauch oder Baum, Sternmagnolien in weiß, rosa und rötlich, in großen Blüten, kleinblütig, wie immer, sie sind einfach wunderbar. In meinem kleinen Gartenreich freue ich mich über vier Stück und alle blühen gleichzeitig um die Wette. Leider nur recht kurz. Die ersten verblühen schon wieder und die weißen Blätter bedecken die Teichoberfläche fast zur Gänze.

Die Kröten sind schon wieder weg. Überhaupt kommt mir heuer vor, dass alles furchtbar schnell kommt und genauso schnell wieder geht. Vermutlich eine subjektive Wahrnehmung, manchmal täuscht die eigene Befindlichkeit ja recht gut über Tatsachen hinweg. Aber gestern am Weg nach Bad Vöslau, als ich die Natur vom Auto aus betrachtete – plötzlich grüne Felder, die Bäume schlagen aus, Sträucher blühen – da dachte ich wirklich „wann ist das passiert“?

Kröte

Kröte Seerose

Heute wurde der Rasen zum ersten Mal gemäht, Rasen ist übertrieben, ich habe bekanntlich eine Wiese. Ein paar verblühte Narzissen wurden abgeschnitten und auch sonst ein wenig rum geschnippselt. Ach, wie gerne bin ich im Garten, mein sonst so ausgezeichnetes Zeitgefühl verlässt mich dann und am liebsten würde ich mich, wie Mara es macht, wenn sie sich so richtig wohlfühlt, am Rücken in der Wiese wuzeln. Ich verstehe sie so gut.

 

 

Die Osterglocken läuten

Was für ein Blütenklang! Große, kleine, rein gelbe, gelb-weiße, einfach blühende und gefüllte Narzissen leuchten aus allen Ecken des Gartens. Das erfreuliche daran ist, dass sie jedes Jahr so verlässlich wieder erscheinen, ganz anders als die Tulpen, die meist schwächer werden, so sie überhaupt ein zweites Mal blühen.

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Gelb ist ja sonst nicht die begehrteste Farbe einer Gärtnerin, weil sie oft zu aufdringlich ist und sich nur schwer in andere Farbkompositionen eingliedern lässt. Zeitig im Frühjahr allerdings mag ich gelb, dieses aufdringliche, satte und leuchtende gelb. Soll er doch kommen der Frühling, am besten mit Pauken und Trompeten!

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Am liebsten hätte ich die ganze Wiese voll mit den weißen, duftenden Dichternarzissen, wie sie an bestimmten Plätzen in meinem Heimatbundesland Oberösterreich so zahlreich zu finden sind. Alle Bemühungen die echte Narzisse in meinem Garten anzusiedeln, scheiterten allerdings an den falschen Bodenbedingungen. So muss ich ausweichen und freue mich jedes Mal, wenn ich zur rechten Blütezeit in die Mollner Gegend komme. Dort kenne ich Wiesen, die über und über voll mit Narzissen sind. Ein Duft liegt dann in der Luft, der einem fast den Atem raubt. Das dauert allerdings noch ein wenig, denn erst gegen Ende Mai entfaltet sich dort die ganze Blütenpracht auf den feuchten Wiesen.

Frohe Ostern!

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Oben Winter unten Frühling

Jetzt kann man sich noch aussuchen, was einem lieber ist: Winter oder Frühling. Gehst du ungefähr auf tausend Höhenmeter bist du noch immer mitten im Schnee. Gute 30 cm Schneedecke hatte ich am Wochenende auf der Gowilalm am Fuße des kleinen Pyhrgas. Auf der geschlossenen Hütte eine kurze Jause und viele wärmende Sonnenstrahlen – einfach herrlich. Ich will gar nicht mehr nach Hause. Obwohl, zu Hause wartet der Frühling, auch verlockend. Und praktisch so mittendrin gibt´s die letzten Schneerosen oder auch Christrosen, wie ein Bekannter aus Deutschland sagen würde. Ich kann mich gut erinnern, als er mich einmal bei einer Wanderung in den oberösterreichischen Bergen begleitete und seine Freude unendlich groß war über die Fülle an Blüten, die hier allen Orts an den Waldrändern und auch in den Wäldern zu finden ist.

In den Niederungen und im Garten zu Hause ist der Frühling eingekehrt. Frühlingsblumen wie Narzissen, große und kleine, Blausternchen, Primel, Leberblümchen und viele andere Blüten treiben es bunt. Teilweise zeichnet sich auch schon ab, welche Pflanzen in den Rabatten überlebt haben. Ich bin sicher, einige Neupflanzungen aus dem Vorjahr haben sich wieder einmal auf Nimmerwiedersehen verabschiedet. Und wahrscheinlich sind wieder einige Überraschungen dabei. Denn an alles frisch Gepflanzte aus dem Vorjahr kann ich mich manchmal gar nicht erinnern. Ist doch schön! Eine rezente Erfolgsmeldung: Meine Salatpflänzchen im Hochbeet haben den Schneefall vor ein paar Tagen überlebt, dank der schützenden Glasplatte.

Auf Jagd im Bärlauchwald

Manche behaupten ja, dass die Besitzer ihren Hunden mit der Zeit immer ähnlicher werden. Beim gestrigen Waldlauf kam es mir auch so vor, als würde ich eine Eigenschaft von Hündin Mara schon verinnerlicht haben. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde den Damm und dann die Traun entlang, quere ich einen Wald und den Bachlauf. Plötzlich, noch immer im vollen Lauf, hebe ich meine Nase in den Wind und wittere frischen Bärlauch, noch bevor ich ihn sehe. Knoblauchduft liegt in der Luft, und wie! Schön, dass mein Geruchssinn fast so gut wie jener meines vierbeinigen Laufcoaches funktioniert, nur bin ich auf gärtnerische Düfte konditioniert.

An der feuchten Stelle wuchert der Bärlauch schon. Obwohl noch immer nicht alle Blätter ganz ausgetrieben sind, komme ich vom Boden gar nicht mehr hoch. Ein kleines Büschchen neben dem anderen verlocken zum Pflücken und so bekomme ich doch in kurzer Zeit eine ordentliche Menge zusammen. Ausgekühlt und hungrig, weil noch ohne Frühstück im Magen, laufe ich zum Auto zurück.

Der Bärlauch wird zuerst einmal zu Pesto verarbeitet. Das wiederum kann später mit nackten Nudeln aller Art gegessen werden, aber auch in der Tomatensauce, im Salatdressing, oder als Pestoreis schmeckt es köstlich. Ein paar frische Blätter hebe ich auf, für Bärlauchnockerl und den vielen anderen Rezepten, die es schon gibt oder erst von mir erfunden werden.

Zutaten für ein gutes Bärlauchpesto sind: 100 Gramm Bärlauch (waschen und grob schneiden), 100 ml Olivenöl, 70g Parmesan (etwas zerkleinern), 30g (kurz angeröstete) Pinienkerne, Saft einer halben Zitrone, Pfeffer und Salz. Alles einfach mit dem Stabmixer zu einer homogenen Masse zerkleinern. In kleine Gläser füllen und zum Abschluss noch einen Schuss Olivenöl oben drauf, Deckel zu, fertig. Ich persönlich mache die ganze Menge gleich mal 3, das entspricht dann einem Säckchen Pinienkerne, einer Packung Parmesan usw. Noch ein Tipp: die Pinienkerne können genauso gut durch Wahlnüsse ersetzt werden, genauso der Parmesan durch Pecorino oder einen anderen geschmackvollen Hartkäse. Einfach experimentieren nach Lust und Laune.

 

Frühling auf Raten

Während ich am Wochenende noch eine Skitour im Sölktal machte, ist hier in Linz der Frühling längst angekommen. Jeden Tag erfreue mich, beim Blick aus dem Fenster mit einer Tasse Kaffee in der Hand, an den kecken kleinen Iris in einem ganz betörenden Blau. Tag für Tag verändert sich nun der Garten. Die Schneeglöckchen sind fast verblüht, die Frühlingsknotenblumen hingegen verlängern die hübschen weißen Blütenteppiche noch ein wenig. Schon blitzen Narzissen und Tulpen aus der Erde.

Am Teich warte ich jeden Tag auf neues Leben. Bald werden die Kröten zu Besuch kommen. Unlängst fuhr ich durch das Helenental, an einer bestimmten Stelle wird jedes Jahr zum Schutz vor dem Straßenverkehr ein Krötenzaun aufgestellt. Also wird es bei mir auch bald so weit sein, nur dass meine Kröten sich weitgehend gefahrlos im Garten bewegen können. Manchmal sogar bis auf die Terrasse oder gar bis zum Sofa, wenn die Tür in den Wintergarten offen steht.

Auch die Sträucher und Bäume stehen in den Startlöchern. Bald blühen die ersten Sträucher und Bäume, die Blattspitzen sind satt grün und auch die Rosen zeigen kräftige Austriebe. Anfang Februar war ich in Freiburg im Breisgau. Ich traute meinen Augen nicht, als ich dort eine blühende Sternmagnolie entdeckte und auch sonst die Natur um Wochen voraus war. Ein Foto von der Magnolie zu machen verhinderte meine Freundin, die mich anhielt lieber auf den Verkehr zu achten als zu knipsen, immerhin saß ich am Steuer. Später erfuhr ich, dass die Ecke eine der wärmsten in Deutschland ist. Wen wundert´s also.

 

Stille Gartenbeobachtung

Der Garten hat sich zurückgezogen. Bäume, Sträucher und Stauden sind in Warteposition. Ruhig ist es geworden. Keine Rundgänge im Garten, keine Notwendigkeit für irgendwelche Tätigkeiten. Ich begebe mich um diese Jahreszeit gerne in den Beobachtungsmodus. Wer genau hinsieht merkt, trotz der vordergründigen Stille im Garten, jede Menge Bewegung und verborgenes Leben.

Eben habe ich den Biomüll weggebracht und auf den Kompost geleert. Daneben ist seit einigen Jahren ein großer Haufen gröberer Äste aufgetürmt. Darunter wird sicher auch heuer wieder der Igel sein Winterquartier aufgeschlagen haben. Nächstes Frühjahr werde ich länger mit dem Umsetzen des Kompostes warten, um den Igel nicht unsanft aus dem Winterschlaf zu reißen.

Der Rasen wird mehr und mehr zu einem Spießrutenlauf zwischen den Maulwurfshügeln. Es scheint, als würden die kleinen Rattler gerade in der kalten Jahreszeit zur Höchstform auflaufen. Nachdem ich meinen Rasen eher als Wiese halte und so gar keinen Ehrgeiz für die Rasenpflege entwickle, außer regelmäßig mähen und manchmal Löwenzahn ausstechen, stören mich auch die kleinen Erdhaufen nicht. Im Gegenteil, im Frühjahr reche ich die gute Erde einfach flach und fertig.

Auch wenn es noch gar nicht richtig kalt ist, von Schnee und Eis keine Spur, und noch genügend Futter aus Samenständen zu finden ist, habe ich einige Meisenklödel in den Cercidiphyllum gehängt. Nun kann ich gemütlich von der Couch aus das rege Treiben der Vögel beobachten. Meisen, Spatzen, Buchfinken, Eichelhäher und viele andere Vögel fliegen kreuz und quer durch den Garten. Oft mit einem Zwischenstopp im noch nicht zugefrorenen Teich, in Nachbars Garten zum Vogelhaus, auf große und kleine Bäume und retour. Von Gartenstille keine Spur.

 

Dessau-Wörlitz: Reiche Kulturlandschaft und zauberhaftes Gartenreich

Eingebettet in die Auenlandschaft der Mittelelbe erschließt sich ein riesiges Gartenreich in Sachsen- Anhalt. Dessau-Wörlitz wartet mit sechs bezaubernden Schlössern und vielen prachtvollen Parks auf. Wer diese dichte Kulturlandschaft besucht, sollte mindestens einen Tag, besser noch ein Wochenende einplanen, und beginnt am besten mit Wörlitz.

Passiert man das Tor des sogenannten Eichenkranzes, ein ehemaliges Gasthaus in dem literarische und politische Größen vieler Länder einst nächtigten, offenbart sich ein mystischer Sehnsuchtsort, das Gartenreich Wörlitz. Hier eine elegante Baumgruppe, glitzernde Teiche, das klassizistische Schloss, dort eine grazile Venus, ein antiker Tempel und der weite Blick in die Ferne mit einem Turm am Horizont.

Schöpfer des heutigen Unesco Weltkulturerbes ist Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Seine humanen Regierungsentscheidungen, seine Armen- und Altersfürsorge und ein weit gefächertes soziales Reformwerk brachten dem beliebten Fürst Franz in der Bevölkerung den Namen „Vater Franz“ ein. Er brach mit Traditionen, verweigerte sich einer Militärlaufbahn und verwirklichte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts seinen Traum ganz im Sinne der Aufklärung: Bildung, Humanismus und pädagogisches Wirken zum Wohle aller Menschen. An seiner Seite stand sein Freund, Architekt und Berater, Wilhelm von Erdmannsdorf.

Vermächtnis des Fürsten Franz und seiner Luise

Wer auf rasche Besichtigung aus ist, ist fehl am Platz. In Wörlitz geht es um eine sinnliche Erfahrung aller Natur- und Kunstschätze. Ein Rundgang durch den Park führt über Wege, Deiche, Fähren und Brücken. Noch romantischer ist eine Gondelfahrt in den grünen Kanälen des Parks. Sehenswert ist das Schloss Wörlitz, ein Gründungsbau des deutschen Klassizismus. Es birgt original erhaltene Möbel, Tapisserien, Stuckdecken, Vasen und Figuren. Markant ist auch das Gotische Haus, das der Fürst für Mußestunden mit seiner Geliebten, der Gärtnerstochter Luise Schoch, erbauen ließ. Seine Gattin und Cousine Henriette Wilhelmine Luise errichtete sich ihr eigenes Refugium, das Luisium. Das kleine Schlösschen und der Park Luisium liegen etwa halbe Autostunde entfernt von Wörlitz.

Wohnen wie die Fürsten und ihre Gärtner

Die zwei wichtigsten Gärtner an der Seite des Landesfürsten sind Georg Schoch, ein Teil des Wörlitzer Parks ist nach ihm benannt, und Franz Eyserbeck Eyserbeck Haus. Sein Gärtnerhaus und andere kleinere, historische Gebäude werden heute vermietet. Die beiden großzügigen und hübsch renovierten Gärtnerwohnungen liegen mitten im idyllischen Luisium, gleich ums Eck kann in der Orangerie gespeist werden.

Geheime Juwele im Gartenreich: Oranienbaum und Mosigkau

Oranienbaum ist ein auf geometrischem Grundriss errichtetes Ensemble aus Stadt, Schloss und Park und zudem ein in Deutschland seltenes Beispiel für eine weitgehend niederländisch geprägte Barockanlage. Das Schloss wird derzeit noch renoviert. Gleich vor der großen Orangerie befindet sich ein kurioser Holzturm, an dem eine Kette hängt. Früher diente er zum Umtopfen der Orangenbäume und sonstiger großer Pflanzen. Mosigkau, in der Nähe von Dessau gelegen, ist ein entzückendes Rokkoko-Ensemble, das früher die Sommerresidenz der Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau war. Im Galeriensaal, mit Blick auf den Garten, hängen dicht nebeneinander unglaubliche Kostbarkeiten, darunter von van Dyck, Rubens und Brueghel.

Das 142 Quadratkilometer große Gartenreich Dessau-Wörlitz feiert heuer sein 250jähriges Jubiläum. Orte wie diese  verzaubern auf eine ganz besondere Weise. Leise, großzügig und stimmungsvoll lockt eine Symbiose aus Kultur und Natur die Besucher an und verleitet nach und nach, ganz langsam, immer mehr davon entdecken zu wollen.

Des Försters Garten

In der Nähe von Potsdam befindet sich der Garten des bekannten Gärtners Karl Förster. Wer kennt nicht seine legendären Sprüche wie: „Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum“. Im Herbst zeigt sich der Garten von einer ganz bezaubernden Seite. Denn gerade jetzt kommen die vielen Gräser besonders gut zur Geltung. Sehr schön harmonieren die Farben der zahlreichen Stauden wie Astern, Chrysanthemen und Dahlien mit vielen anderen Herbststauden. Förster Stauden

Der Garten ist nicht riesig groß, ich hatte ihn mir größer vorgestellt. Die Rabatte setzen sich aus vielen bekannten Klassikern zusammen. Für Experimente ist hier kein Platz. Die Anmutung ist solide, klassisch, als möchte man sich auf Tradition und Altbewährtes berufen. Und das ist auch gut so. Ich habe gelesen, dass das Haus künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Karl Förster (1874-1970) und sein Garten, seine Züchtungen und Bücher erlangten große Bekanntheit. Försters Gartenleidenschaft liest sich so: „Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner, und das nächste Mal auch noch. Denn für ein einziges Leben ward dieser Beruf zu groß.“ Dem kann ich in aller Bescheidenheit etwas abgewinnen.

Ein Erlebnis ist die angeschlossene Open Air-Gärtnerei, die jedes Gärtnerherz höher hüpfen lässt. Phlox in mehreren Verkaufsreihen, Chrysanthemen in allen erdenklichen Farben und Wuchshöhen, Helenium, Astern, Gräser aller Art, eigentlich alle klassischen Stauden in einer unendlichen Vielfalt. Ganz bezaubernde Ministräucher waren zu finden, wie ich sie sonst nirgendwo noch gesehen habe. Eine kugelige Sumpfeiche, eine farnblättrige Zwergbuche, eine Minibuche am Stamm, ganz entzückend. Zum Glück waren wir mit dem Auto unterwegs. So luden wir ein, was Platz hatte und machten uns glücklich auf den Weg in unsere Bleibe für die nächsten Tage: in das Gärtnerhaus Eyserbeck im schönen Luisium des Gartenreichs Dessau-Wörlitz Gärtnerhaus. Leider viel zu kurz wie sich bald herausstellte.

Auf der Parkbank Karl Förster Rabatte Teich im Förstergarten Pflanzenauto

Längst vergessenes Obst: Mispeln und Quitten

Vor einiger Zeit war ich zum Abendessen mit Freunden im sehr empfehlenswerten Culinariat (Hellmonsödt im Mühlviertel/ Oberösterreich). Zum Nachtisch gab es ein zartes Mispelparfait mit allerlei süßem Beiwerk. Wie eine Mispel aussieht war mir durchaus bewusst, wir fragten uns allerdings gleich, wo es denn noch Mispeln zu kaufen gäbe. Der Mispelgeschmack – unvergessen zart und nussig.

Und erst kürzlich entdeckte ich in Sachsen Anhalt vor der romanischen Kirche in Gernrode – sehr sehenswert! – einen alten, entzückenden Mispelbaum, der über und über mit den bräunlichen, kronenförmigen Früchten bedeckt war. Ein entzückter Ausruf über das Kulturjuwel folgte dem Naturjuwel. Ich kann mich tatsächlich nicht erinnern, jemals so einen Mispelbaum gesehen zu haben. Ich gestehe auch, ich habe zwei Mispeln geklaut, als Andenken.

Einige Tage später besuchte ich wieder einmal meinen geliebten Garten in Wörlitz. Nach einer Führung im klassizistischen Schloss mit tollem Originalmobiliar, bestens erhaltenem Stuck und feinen Ornamenten, machten meine Begleitung und ich eine Pause in der angeschlossenen Wirtschaft. Dort entdeckte ich ein anderes altes Obst, einen ganz bezaubernden Quittenstrauch. Jetzt im Herbst zeigt sich der Strauch von seiner besten Seite, denn die großen gelben Früchte heben sich vorzüglich vom großen, dunkelgrünen Laub ab.

Und so entsprang wieder einmal reflexartig der Wunsch: haben wollen. Wenn ich´s recht überlege haben sowohl der Mispelbaum vor dieser romanischen Stiftskirche als auch das Quittengehölz im Wörlitzer Garten ein vortreffliches, historisches Ambiente wie es für so alte Obstsorten harmonischer nicht sein könnte.

 Quitte

Herbstzeit.Los!

Herbstzeitlose

Es sind die vielen Spinngewebe im feuchten Gras, in denen die Sonnenstrahlen gülden glänzen. Es ist dieser glasklare Himmel in tiefem Blau und der schier unendliche Blick vom Gipfel, der die Berge wie Schablonen immer mehr verblassen lässt, je weiter sie entfernt liegen. Und es sind die Farben der Blumen und Pflanzen, die sich nicht – so wie im Sommer – förmlich aufdrängen, nein, sie zeigen kraftvoll und verhalten zugleich in letzten Blüten und Samenständen, was sie einmal waren und genau darin liegt der besondere Charme. Meine liebste Jahreszeit ist der Herbst.

Wiesen übersät mit Herbstzeitlosen, zart und lila, einzeln und in Gruppen. Enziane in mauve und blau, in den Ebereschen locken die roten Beeren, noch blüht es überall, draußen und im Garten. Violette Zwetschken hängen in dicken Trauben am Baum, die Äpfel sind bereit für die Ernte. Die Natur zeigt mit all ihrer Kraft was in ihr steckt, bevor sie sich zur Ruhe begibt.

Dabei fällt mir Ernst Jandl ein, der ein amüsantes Gedicht über die Vergänglichkeit der Menschen schrieb, das so gar nicht trist ist und gut zu meinen Herbstgedanken passt:

wir sind menschen auf den wiesen
bald sind wir menschen unter den wiesen
und werden wiesen und werden wald
das wird ein heiterer landaufenthalt